Trinidad – Kaimane und wer die Insel gebaut hat

Trinidad – Kaimane und wer die Insel gebaut hat

Am Abend fuhren wir nochmal los, wir haben schließlich noch keine Bekanntschaft mit den 800 Kaimanen in der Lagune gemacht. Anderswo werden sie gegessen und sind gefährdet, in Chuchini werden sie geschützt und vermehren sich stark. Der Mann unserer Gastgeberin ist Tierarzt und fängt regelmäßig ein paar Jungtiere, um ihren Gesundheitszustand zu überprüfen. Wir durften heute mit. Umschwirrt von Mücken, wegen unseren Stirnlampen, suchten wir rote Augen im dunklen Fluss. Da! Ein schneller Griff ins trübe Wasser und das Babyreptil landete im Boot. Gruselig starrte es uns an und zeigte seine spitzen Zähne.

Damit die Jungen nicht von Raubvögeln gefressen werden, tauchen sie ins tiefe Wasser ab. Dazu können sie ihre Atemwege mit einer Klappe verschließen. Aber wenn sie Parasiten haben, geht die Klappe nicht mehr zu, die Tiere können nicht mehr tauchen und werden gefressen. Der erste Fang für heute war ein Männchen mit dreieckigem Kopf und langem Schwanz, fünf verschiedene Arten leben hier. Diesem Exemplar ging es gut. 

Wir lernten noch mehr über die kuriose Anatomie der Lagunenbewohner. Kaimane haben drei Augenlider. Ein normales, eins gegen Sonne und eins zum Tauchen. Jeder von uns durfte eines der Babys zurück ins Wasser setzen. Meins verschwand sofort. Christians stellte sich erstmal tot, um nicht gleich von der nächsten Eule gefressen zu werden. Aus der Ferne entdeckten wir auch ein ausgewachsenes Exemplar, hielten aber besser Abstand. 

Am Morgen gab es einen lauten Knall, Äffchens Lieblingsbaum war umgefallen und lag jetzt quer über dem Weg. Ich wollte Äffchen mit einer frischen Kakaobohne trösten, aber es rastete total aus, fauchte mich an und rannte mir wütend hinterher, als ich dann selbst eine aß. 

Wir hatten noch Zeit für eine letzte Bootstour. Weil wir heute kein Glück mit Tieren hatten, zeigte uns Ronco einen besonderen Ort. Er könne dort nicht so oft hinfahren, da die Pflanzen zu empfindlich sind. Wir fuhren durch richtig dichten Wald, das Boot passte gerade so zwischen den Bäumen und dem Gestrüpp durch und wir mussten immer wieder großen Ästen ausweichen. Schon diese Fahrt fühlte sich magisch und geheimnisvoll an.

Schließlich kamen wir auf einen versteckten, idyllischen See und am anderen Ufer wuchsen die größten Seerosen, die wir je gesehen haben. Dicht an dicht lagen die über einen Meter breiten Blätter im Wasser. Sie halten nur wenige Tage und blühen nur nachts, ein paar Blüten waren noch zu sehen. Oben sind die Blätter empfindlich und fragil, aber an der Unterseite haben sie ein Netz aus dicken, harten Stacheln. Sie waren einfach wunderschön. Wir drehten noch eine Runde über den See und trafen ein paar Delfine, bevor wir zurück in den magischen Wald fuhren.

Für den Nachmittag durften wir uns noch eine Aktivität aussuchen. Wir wählten das Museum und während wir die Siesta in der Hängematte verdösten, fragten wir uns immer wieder, wo das hier sein soll. Das Geheimnis wurde bald gelüftet, das unscheinbare Toilettenhäuschen hat eine zweite Tür und dahinter verbergen sich haufenweise Schätze. Schädel von allen Tieren, die hier leben, ein mumifizierter Zwergameinsenbär, bemalte Schildkrötenpanzer, aber vor allem archäologische Fundstücke, Zeugnisse einer uralten, unbekannten Kultur.

Früher hielt man die Hügel der Llanos de Moxos für natürlich und erst vor wenigen Jahren stellte sich heraus, dass sie alle vor zehntausend Jahren, über Jahrhunderte hinweg künstlich angelegt wurden. Ein riesiges Netz aus Wasserwegen und über dreitausend Wohnhügel boten Lebensraum für mehrere hunderttausend Menschen. Die hydraulische Kultur, wer sie waren, ist weiterhin ein Rätsel. 

Hier auf Chuchini fing alles damit an, dass der Pool mitten aufs Gelände sollte, aber da war schon ein Grab. Die Polizei kam vorbei, meinte, dass die Skelette schon alt seien, aber dass der Pool woanders hin solle, weil sie nicht dauernd wieder kommen wollten, falls noch mehr Skelette auftauchen. 

Ein paar Knochenproben schickte man zur Analyse nach Deutschland, mit dem Ergebnis, dass diese Hochkultur aus Asien eingewandert war. Auf dem ganzen Grundstück werden immer wieder Geschirr, Figuren und Werkzeuge gefunden, aber keine Waffen. Außerdem gibt es Töpfe mit Grabbeigaben, die meisten wurden aber schon vor langer Zeit von Goldgräbern geplündert. Einzelne, noch verschlossene Töpfe stehen im Museum. Ob Organe oder Schätze drin sind weiß niemand. Wenn man die Töpfe öffnet, sind sie kaputt und für weitere archäologische Forschungen fehlt in der Region das Geld. So standen wir in einem Raum voll aufwändig gearbeiteter Gegenstände und noch mehr Rätseln.     

Wir verbrachten noch eine herrliche Weile in unseren Hängematten. Außerdem waren jetzt hinten auf der Weide die Capybaras aufgetaucht und ließen sich ungerührt beobachten. Unsere Zeit auf Chuchini neigte sich jedoch dem Ende. 

Am frühen Abend stiegen wir aufs Boot und schließlich in den Geländewagen um in die Stadt zu holpern. Wir hatten Glück, unsere Gastgeber fuhren heute Nacht auch nach Santa Cruz, kauften uns ein Busticket mit und holten uns nach dem Abendessen sogar in der Stadt ab. Trinidad hat den üblichen zentralen Platz, mit einer ziemlich schönen Kirche. Hier fanden wir ein Restaurant mit Dachterrasse und beobachteten das abendliche treiben. Es gibt kaum Autos, aber eine beliebig große Familie passt auf jedes Motorrad.

Der Bus war besser, als wir uns einen Nachtbus jemals hätten vorstellen können. Jeder Sitz hatte ein Plastikkabine um den Kopf und einen Vorhang und wir konnten die Sitze ganz flach stellen. Zwar musste mitten in der Nacht ein Reifen gewechselt werden, aber am Morgen kamen wir ausgeschlafen in Santa Cruz an. 

Der Busbahnhof dort ist riesig und viele Leute hatten unglaublich viel Gepäck dabei. In den Bädern standen die Leute zum Duschen und Zähneputzen an. Wir reisten erstmal ohne Dusche weiter, mit dem Optimismus, heute Mittag unser nächstes Ziel zu erreichen.  

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