Santa Cruz de la Sierra – Kunst und Piranha mit Reis

Santa Cruz de la Sierra – Kunst und Piranha mit Reis

Zurück in Santa Cruz. Wunderschön war es, drei Wochen durch Bolivien zu reisen, aber genauso anstrengend. Die Höhe, die vielen Klimazonen, die weiten Wege. In Santa Cruz wollten wir noch etwas ausspannen und suchten uns eine gemütliche Wohnung mit Pool, in einem der neuen Wohnviertel für Ausländer.  

Alle Gebäude auf dieser Seite der Hauptstraße sind neu und schick, nur in ein paar kleinen Nebenstraßen finden sich noch alte Häuser. Traurig, dass man hier ganze Nachbarschaften für Hochhäuser abgerissen hat.

Um die Ecke entdeckten wir den vielleicht ersten Convenience Store des Landes, kauften uns ein paar kleine Cuba Libre und genossen erstmal die Aussicht vom Balkon, bevor wir uns auf die Suche nach dem Pool machten. 

Den Einheimischen war es bei 30 Grad zu kalt zum baden und so hatten wir die herrliche Kulisse zwischen Palmen, Vollmond und sternenklarem Himmel für uns alleine.     

Ringsum liegen schicke Geschäfte, Restaurants und Cafés. Palmen und Bromelien säumen die Straßen und mitten in unserem Gebäude wurde ein Platz für einen riesigen alten Baum ausgelassen. Hier fanden wir auch unser Stammlokal fürs Frühstück.

Spannender wurde es jedoch beim Mittagessen. Weil wir in Chuchini kein Glück beim angeln hatten, waren wir nun umso neugieriger, wie Piranha schmeckt. Wir fuhren in ein Fischlokal in der Altstadt, die wir nun gar nicht mehr als so arm und kaputt empfanden.

Bemalte Schildkrötenpanzer schmückten die Wände des Ladens und wir vermuteten, dass das ehemalige Innenleben früher auch auf der Karte stand.

Jeder bekam ein riesiges Tablett Piranhas vor die Nase gestellt, frittiert, aber noch immer grimmig die Zähne gefletscht. Der Kellner kam schnell angerannt, als er sah dass wir den Tieren mit Messer und Gabel zu Leibe rücken wollten. “Con los manos” wies er uns an. Wir sollten die Fleischstücke mit den Händen ablösen. Ja, das war einfacher, das meiste Fleisch steckt im Rücken. Der ganze Fisch ist ein einziger Beismuskel. Hätten sie uns im Dschungel erwischt, wäre die Nahrungskette ohne weiteres in die andere Richtung verlaufen. Viel war nicht dran, deshalb also das riesige Tablet. 

Nach dem Essen wollten wir unsere restlichen Dollars tauschen, um sie später im Hypermaxi in Kaffee und Schokolade zu investieren. Der angeschriebene Kurs lag bei 6,8 aber wir fanden eine Wechselstube, die unser Geld zu 9,3 tauschte. 

Unterwegs entdeckten wir ein riesiges Einkaufszentrum, das seltsamerweise auch ganz gut besucht war. Auf 4 Stockwerken über den gesamten Block gab es darin ausschließlich  Handyläden, mindestens 50, vielleicht auch 100. Vorbei an Faschingsbedarf und alten Computerspielen zogen wir auf der Suche nach Panflöten weiter Richtung Kathedrale, wo es eine Souvenir Passage gibt. Hier fanden wir die fragwürdigsten Mitbringsel, wie Flaschen aus Kuhköpfen, oder eine Jesus-Schlüsselgaderobe, aber auch richtig schönes Kunsthandwerk.

Am Samstagabend war am zentralen Platz die Hölle los. Alle Stühle der Schuhputzer waren besetzt, zahllose Dessertverkäufer schoben ihre Wägen unter den Bäumen hin und her, überall lief Musik und in der Mitte führte eine Gruppe traditionelle Tänze auf.    

Auf dem Platz hinter der Kathedrale schlenderten wir über einen Flohmarkt mit Craft Bier, ausgefallenen Lebensmittel, indigener Kunst und Schmuck. Direkt daneben liegt die Galerie Manzana. Überall herrschte eine ausgelassene Wochenendstimmung.

Im unteren Stock der Galerie fand eine Sonderausstellung mit Werken des bolivianischen Künstlers Antonio Mariaca, zu dessen 100sten Geburtstag, statt. Kubistische Werke, Portraits und viele Motive, die uns nach drei Wochen bekannt vorkamen. 

Im oberen Stock gab es interessante moderne Kunst, Skulpturen und indigene Motive.

Am Sonntag Nachmittag gingen wir in den Park, genauer in den botanischen Garten. Der ist schon ziemlich alt und etwas verfallen. Allerdings macht ihn gerade diese rustikale Atmosphäre besonders schön. Ein morscher Plankenpfad führte uns unter alten Bäumen mit aufgeregten Eichhörnchen hindurch. Ein Teppich aus rosa Blütenblättern überzog die Wiese dazwischen. Überall blühten Bromelien und mittendrin gab es verwitterte Pergolas. 

Dann erreichten wir das halb verfallene Palmenhaus, eine verwunschene Ruine, durchzogen von tropfenden Rinnsalen. 

Über einen Teich kamen wir zum Kaktengarten, wo uns ein gut fünf Meter hoher Kaktus erwartete. Hier wird der Garten wilder und geht in die angrenzenden Wälder über. Oben in den Bäumen kratzte sich gemächlich ein Faultier, ein Stück weiter entdeckten wir einen riesigen Ameisenhügel von mindestens anderthalb Metern Höhe. 

An einer verwitterten Brücke über einen kleinen Bachlauf tummelten sich zahllose bunte Schmetterlinge, an der nächsten Brücke hing ein Krokodilwarnschild. Der Wegesrand war mit hauchzarten Gräsern bewachsen. 

Rückwärts nahmen wir den Weg am See, und der war fest in Schildkrötenhand. Die Tiere stapelten sich am Ufer und auf Ästen in der Sonne. Gegenüber lagen einige Gewächshäuser. In einem davon war wohl eine Kunstinstallation mit Flugzeug und Riesenfaultier aus Papmaché geplant. In anderen befanden sich für Bolivien ganz exotischen Pflanzen, die wir jedoch von zu Hause gut kannten. 

Das größte Abenteuer des Tages war jedoch ein Taxi zu bekommen. Der Garten liegt direkt vor der Mautstelle, hinter der letzten Wendemöglichkeit. Auf dem Hinweg wurden wir einfach irgendwo am Straßenrand abgesetzt. Hier würde uns jedenfalls niemand abholen. Todesmutig überquerten wir die Autobahn, der gegenüberliegende Friedhof war erfolgversprechender. 

Vor dem Abendessen kühlten wir uns im Pool ab und machten uns dann auf den Weg in ein total verwinkeltes Burgerlokal. Das erste Mal seit Wochen wurden wir hier auf englisch angesprochen. Mit dem Rest des Landes hat dieses Viertel wenig gemeinsam. 

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