Korsika – die Balagne und das Fangotal – Dörfer und Badegumpen

Korsika – die Balagne und das Fangotal – Dörfer und Badegumpen

Am Morgen machten wir uns auf den Weg in die Berge der Balagne, um ganz unterschiedliche Dörfer zu besichtigen. Corbara war das erste und ursprünglichste. Steile, verwinkelte Treppen führten uns nach oben, bis zur Kirche. Hier und da trocknete Wäsche in dem verworrenen Labyrinth und überall wucherten üppige Blumen zwischen alten Mauern und Toren. Ruhig und gemächlich ging es hier zu, Menschen winkten uns beim Frühstück von ihren Balkonen aus.   

Etwas weiter in den Bergen liegt Pinga, schon etwas touristischer, aber noch immer idyllisch. Alle Häuser in Pinga haben blaue Fensterläden, ein Dorf wie aus dem Bilderbuch. Und in den Häusern haben sich zahllose Kunsthandwerker angesiedelt, die Schmuck, Keramik und Süßigkeiten, aber auch ausgefallenes, wie Musikinstrumente herstellen. Überall in den gepflasterten Gässchen laden offene Türen zum Stöbern ein. Unter einem großen Granatapfelbaum entdeckten wir den Eingang zu einer Spieluhr Werkstatt. Drei Frauen bauten Spielwerke in Holzfiguren ein und bemalten sie liebevoll. Eine auszuwählen war garnicht so einfach, denn natürlich testeten alle Kunden die Melodien. Mitten in dem kleinen Dörfchen gibt es sogar einen Palast und oberhalb fügt sich ein Kloster ins Bergpanorama.      

Was Corbara und Pinga gemeinsam haben? Keinen Busparkplatz. St. Antonino hingegen… aber dazu gleich. St. Antonino ist schon bei der Anreise eindrucksvoll, perfekt um einen kegelförmigen Berggipfel gebaut, sieht man es schon aus mehreren Kilometern Entfernung. Der Busparkplatz auf der Rückseite unterhalb war bei unserer Ankunft noch unbenutzt. Zeit zum Mittagessen, auf einer Terrasse mit weitem Panorama war noch ein Tisch für uns frei. Es gab Omelette und einen Teller mit korsischen Spezialitäten, wie hausgemachter, leicht bitterer Clementinenkonfitüre. 

Das Gassenlabyrinth erreicht in diesem Dorf das nächste Level, der Berggipfel war wohl doch nicht der perfekte Kegel, beim Bau der Häuser hat man das ausgelichen und die Mauern für die perfekte Ansicht gestapelt. Die Gassen und Treppchen führen durch verwinkelte Tunnel, mitten durch Häuser oder darüber hinweg und wir mussten aufpassen, dass wir auf dem Weg nach unten nicht die falsche Dorfseite erwischten. Orientierung ist in St. Antonino nicht zu haben. 

Von einer Aussichtsplattform beobachteten wir, wie drei Reisebusse gleichzeitig den Parkplatz erreichten und das eben noch so authentische Dörfchen im Nu in eine seelenlose, vollgestopfte Kulisse verwandelten.       

Ein viertes Dorf, Occi, soll verlassen sein und vielleicht hätten wir uns vor der Anreise die Frage stellen sollen, warum. Wir fuhren erstmal hin, aber da war nichts. Tja, ein guter Grund für ein Geisterdorf ist eine fehlende Straßenanbindung. Der Punkt auf der Karte stellte sich überraschend als Beginn einer gar nicht so kurzen Wanderung, mit der ein oder anderen Kletterpartie heraus. Fast eine Stunde kraxelten wir den Berg hinauf, immer auf die Ruinen zu. Wir hatten zu zweit einen halben Liter Wasser und keine Sonnencreme, was braucht man schon für eine kurze Dorfbesichtigung? Ab und zu fanden wir Schatten unter großen alten Kastanien und atemberaubende Aussichten entschädigten uns für die Anstrengung. Dann war der Weg vermauert und ein Schild wies auf die Lebensgefahr in den Ruinen hin. Jaja, wir quetschten uns durch den ausgelassenen Spalt für die Todesmutigen und trafen sogar auf eine Hand voll anderer Leute. 

Die Dächer der atmosphärischen Ruinen sind eingestürzt und in den halb verfallenen Häusern wachsen Feigenbäume zwischen düsternen Fenstern, einige Mauern waren bereits in die schmalen Gassen gestürzt und auf einer Wiese stand eine Badewanne. Rings um den Ort liegen riesige Felsbrocken und etwas oberhalb gibt es sogar eine kleine Burg. Zwischen all den verfallenen Mauern steht völlig deplatziert und etwas gruselig eine makellose, sanierte Kirche. 

Vom Dorf aus hatten wir einen weiten Blick, über das riesige Tal bei Calvi und die weite Bucht unterhalb des Berges. Eine wahnsinns Aussicht, im Tal breitete sich jedoch gerade auch ein Waldbrand aus und der Qualm zog, obwohl viele Kilometer entfernt, auch schon zu uns herauf.   

Am Abend erreichten wir Galeria. Wegen des Waldbrands mussten wir einen unerwartet großen Umweg fahren, der uns aber erneut durch umwerfende Landschaften brachte. Eine schmale Straße führte endlos weit durch karge, weiße, bröselige Berge. Aus ganz ausgewaschene Felsen starrten riesige Gesichter von den Hängen zu uns hinab. Winzige Steine begrenzen die Straße, die der unglaublich ausgefransten Küste folgt, Kurve an Kurve bis Galeria. Zum Glück waren wir überwiegend allein auf dieser engen, verwunschenen Straße, nur eine Hand voll anderer Autos kam uns entgegen.    

Die Straßen in Galeria hingegen sind belebt, sie gehören den Kühen. Etwas außerhalb erreichten wir einen weitläufigen Campingplatz unter alten Olivenbäumen. Heute war das Meer zu weit weg, also nahmen wir mit dem Pool vorlieb. Während wir Abendessen kochten, packte nebenan jemand sein Alphorn aus und zwischen den lichten Bäumen gab es später eine noch bessere Aussicht auf den Sternenhimmel als am ersten Abend.

Am Morgen holten wir das obligatorische Baguette an der Rezeption und wurden gefragt, ob wir schon im Fangotal waren. Die Flüsse, die wir in der Gegend gesehen hatten, waren trocken, in einem zu baden hatten wir schon abgeschrieben. Nein Nein, sagte die Frau an der Rezeption, in den Bergen sei alles in Ordnung und wir sollten auf jeden Fall dort hoch.

Über einen unscheinbaren Pfad kamen wir aus dem Wald an das steinige Flussufer und balancierten über die runden, Felsen und Kiesel, um ein schönes Fleckchen zu finden. Gebadet wurde hier überall, der Fluss besteht aus einladenden, tiefblauen und grünen Becken zwischen weißem Fels. Aber wir hatten hohe Ansprüche, ein etwas ruhigeres und tieferes Becken sollte es sein. Ein paar hundert Meter flussaufwärts wurden wir fündig, am Waldrand unter herrlichem Bergpanorama war das Wasser tief genug zum Schwimmen. Hier ließen wir uns durchs erfrischende Wasser treiben, bestaunten die hohen Gipfel in der Ferne und ließen uns anschließend bei einem Picknick auf den Felsen trocknen. 

Wir waren heute noch nicht im Meer, also wechselten wir vom Fluss zum Strand von Galeria. Auf Korsika ist jeder Badeplatz noch schöner als der vorherige. Diese Bucht hier liegt unter einer steilen Klippe. Oben drauf steht eine alte Kirche, dahinter erheben sich scharfkantige, hohe Berggipfel. Ein paar Boote schaukelten auf dem leuchtenden Blau. Auch hier lohnte sich der Schnorchel, ein Fischschwarm verfolgte uns durch die Wellen. 

Dann war es Zeit, den nächsten Campingplatz zu suchen. Wir fuhren noch etwas an der ausgefransten Küste entlang. Die Straße ist so kurvig, dass es manchmal aussah, als würde sie direkt ins Meer führen. Außerdem wurde sie immer schmäler und es gab jetzt nur noch eine Spur. Wir fuhren bis Gradelle, in dem Örtchen führte ein steiler Weg zum Meer hinunter, wo wir den letzten Platz zwischen Oliven- und Eukalyptusbäumen ergatterten. 

Auf dem Platz stapeln sich die Terrassen am steilen Hang, zum Glück sind wir es mittlerweile gewohnt, ständig irgendwo einen Berg hoch zu laufen. Der Weg zum Bad ist ein kurzer, abenteuerlicher Trampelpfad, der den Rückweg mit einem Stapel frisch gespültem Geschirr ganz besonders spannend macht. Von der idyllischen Bar gibt es auch hier wieder den schönsten Meerblick. 

Am Morgen begegneten wir oben im Dorf einer Hand voll Leute, die eine Jesusfigur zur Kirche schleppten, eine Freitagsprozession. 

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