Korsika – Cap Corse – Türme und Kräuterduft

Korsika – Cap Corse – Türme und Kräuterduft

Die Tagfähre von Livorno gab uns einen ersten Vorgeschmack aufs Mittelmeer, warm und leuchtend blau. Pünktlich zum Mittagessen legten wir ab, also gönnten wir uns für die Überfahrt ein leckeres drei Gänge Menü mit gegrilltem Fisch.  

Am späten Nachmittag konnten wir den ersten Blick auf die bergige, grüne Insel mit ihren idyllischen Tälern und Dörfern werfen, bis wir kurz vor Sonnenuntergang Bastia erreichten. 

Wir fuhren noch ein Stück nach Norden, bis Pietracorbara, vorbei an kleinen Stränden, wo die Einheimischen in der Dämmerung ein Feierabendbad nahmen. Dichte Kräutersträucher säumen die Straße, wir ließen die Fenster runter und sogen den würzigen Duft der Macchia ein, der in Pietracorbara vom schweren Geruch der Eukalyptusbäume abgelöst wird.

Wie lange die Campingplätze geöffnet haben, das ist die erste Frage eines jeden Roadtrips. Auf Korsika scheinbar bis neun, Glück gehabt. Später am Abend erwartete uns noch ein unglaublich sternenklarer Himmel, so finster wird die Insel, dass man sogar die ganz kleinen Punkte der Milchstraße sehen kann. Begleitet wurde die Aussicht von Wein und einigen aufgeregten Zwergohreulen.

Am nächsten Tag erkundeten wir die Westküste des Nordkap, dem Finger der aus der Insel herausragt. Als erstes unternahmen wir eine Wanderung auf dem alten Zöllnerpfad. Los ging es in Macinaggio, der letzte Ort an der Ostküste, vorbei am Yachthafen, über einen langen Sandstrand und auf einem Trampelpfad durch hohes Schilf. Hier herrscht eine typische Inselatmosphäre, Wind und Wellen dominieren eintönig die Geräuschkulisse, weit weg von allem wird man langsam und gleichgültig. 

Am Ende vom Strand ging es über Felsen nach oben und dann immer an den Klippen entlang, zwischen leuchtend roten und blauen Myrtesträuchern und Rosmarin. Korsika scheint wie ein riesiger Kräutergarten. Die Aussicht vom Weg war in jede Richtung spektakulär, die große blaue Bucht von Macinaggio, kleine Felseninseln im Meer und die steilen Klippen unter uns. 

Eine kurze Kletterpartie führte uns ganz nach oben zu einem Genueserturm, einer der Wachtürme, zwischen denen man sich früher über Sicht verständigte. Über hundert davon gibt es auf der Insel. Klar, der nächste muss ja immer in Sichtweite sein. 

Von oben sahen wir schon die nächste Bucht, unser Ziel, der Strand von Tamarone. Weißer Sand, dazwischen ein paar Felsen und transparentes Wasser. Zeit für ein Bad. 

Hier und da teilen die Felsen kleine Strandabschnitte ab und so ein “Privatstrand” wurde gerade für uns frei. Ein bisschen schwimmen, eine Runde schnorcheln und ein kleines Picknick, dann traten wir den Rückweg an. Der führte durch Felder und durch ein kleines verwunschenes Wäldchen zurück zum Hafen, wo wir uns einen Eisbecher verdient hatten.

Die Küste hier im Norden ist total ausgefranst und auf der Rückfahrt schoben sich immer wieder kleine Dörfer und steile Klippen ins Bild. Dicke Oleanderbüsche und Rosensträucher zieren die alten Häuser. In einem vollgestopften Hofladen kauften wir Oliven und Käse fürs Abendessen und machten dann noch einen Abstecher nach Erbalunga. In dem ehemaligen Künstlerörtchen spazierten wir durch verschlafene Gassen. Zwischen schroffen Felsen und kleinen idyllischen Stränden liegt der Hafen und gleich darüber der obligatorische Genueserturm.        

Am nächsten Tag fuhren wir weiter und erkundeten die Westküste des Fingers. Ab Macinaggio führt die Straße ins Inselinnere, eine hügelige Strauchlandschaft in Gelb, Braun und Grün erwartete uns mit der Hauptattraktion, dem unglaublich intensiven Kräuterduft der Macchia. Entlang der Straße gab es die schönsten Aussichten, auf idyllische Ortschaften, die in die Hügel und Täler getupft sind und bald auch schon wieder auf blaue Buchten in der Ferne. Mitten drin tauchte plötzlich eine Windmühle hoch über uns auf, Moulin Mattei. Neugierig wanderten wir ein Stück auf dem felsigen Pfad nach oben, sie passt hier so garnicht ins Bild. Bald wurden wir aber schon von der nächsten Aussicht abgelenkt, der Blick auf das Städtchen Centuri, wie es sich unten ans Meer schmiegt.    

Das Zentrum von Centuri liegt rund um ein klares Hafenbecken, von dem überall kleine Gassen nach oben abzweigen. Auf einer Terrasse direkt über dem Wasser fanden wir ein Plätzchen fürs Mittagessen und bestellten uns einen großen Topf Muscheln und gegrillten Schwertfisch. Dann machten wir uns auf die Suche nach dem Genueserturm, unten am Wasser, eingewachsen in Kakteen und Aloe Veras. 

Die ausgefranste Küste im Westen des Fingers ist unbeschreiblich schön. Teils führt die Straße durch Felsen hindurch und ganz dicht an den Klippen entlang. In den niedlichen Ortschaften, die sich auf die Felsen über dem Meer klammern, geht es ländlich verschlafen zu. 

Dann taucht mittendrin ein graues, etwas dystopisches Bauwerk auf, Säulen stützen sich in den Abhang, die Asbestmine von Nonza. Es folgen schwarze Strände, denn der übrig gebliebene Abraum wurde nach der Schließung einfach ins Meer gekippt. Interessant sieht es hier aus, vor den Stränden wird das blau leuchtende Meer von dunklen Adern in wilden Mustern durchzogen. Schön und gruselig. Wir schauten uns das Natur-Industrie-Schauspiel nur durch geschlossene Fenster an, aber einige unerschrockene Leute lagen auch hier auf dem Strand oder schwammen in den Wellen.   

Wo das Nordkap endet, beginnt die Wüste von Arigates, eine unwirkliche Landschaft aus kargen Büschen auf weißen, schroffen Felshügeln, so weit das Auge reicht. Hier und da erheben sich scharfkantige Gipfel, dahinter blitzt das Meer hervor.  

Wir waren heute noch nicht im Meer, also steuerten wir einen Campingplatz mit Strand an, kurz hinter Ille-Rousse, in Bodri. Der Platz war riesig und ein freies Fleckchen zu finden war garnicht so einfach. Pünktlich zum Sonnenuntergang machten wir uns auf den Weg zum Wasser, durch eine alte Bahnunterführung, einen verwucherten Tunnel und über seichte Dünen im romantischen Abendlicht. Der Strand war wunderschön, fast unberührt, mit ganz feinem Sand. Die meisten Leute saßen für den Sonnenuntergang am Wasser, aber wir sprangen direkt in die warmen Wellen und badeten noch im Mondlicht. Später kamen noch mehr Leute ins Wasser. 

Nachts hörten wir die Wellen rauschen und trotzdem blieb es so warm, dass wir bei offener Tür schliefen. 

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