Sokcho – Ein klassischer Urlaubstag – Schwimmen und Essen

Sokcho – Ein klassischer Urlaubstag – Schwimmen und Essen

Am Abend kamen wir etwas zu spät los. Hier in der Kleinstadt machen die Restaurants früh zu. Wir schauten uns in den Gassen in Sokcho Beach um, der einzige Laden, in dem die Küche noch nach 19 Uhr geöffnet hatte, war ein Eisbein-Restaurant, eine lokale Spezialität. Eine kleine Portion sollte für uns beide reichen, meinte die Bedienung. Sie muss es wissen. Außerdem meinte sie, dass man das Zeug scharf essen muss. Aber scharf sei wirklich sehr scharf, also für uns wahrscheinlich zu scharf. Wir entscheiden uns trotzdem für halb scharf, halb ohne und ernteten respektvolle Blicke. Als Beilage wollten wir Reis und was sie uns empfahl, stand auf der Karte als Onigiri. Das geht scheinbar generischer, als ein Dreieck aus Reis: Reis, Nori, irgendwas drin, und irgendwas aus Folie. Wir bekamen also eine Schüssel mit allen Einzelteilen und einen Folienhandschuh.

Zu dem “kleinen” Schweineteller gab es wieder mal haufenweise Beilagen, extra Chilis und eine große Suppe mit Blutwurst. Und weil die Leute hier vom vielen Schwein und scharf so viel schwitzen, gab es gleich eine ganze Ventilatoren Armee. 

Am Morgen war die Aufregung groß, es war heiß und sonnig, der perfekte Badetag. Aber was ist nun mit diesen seltsamen koreanischen Strandregeln? Ich spähte vom Balkon. Sind da Leute im Wasser? Vielleicht. Also versuchten wir unser Glück. Unten vor der Tür standen zwei Männer in Badehosen in einer Dusche mitten im Parkhaus, die wir vorher noch nie gesehen hatten und pulten sich Sand aus den Zehen. Die kamen vom Strand, ich starrte sie an.

Es war noch früh und noch nicht viel los, aber es lagen Leute in der Sonne und einzelne waren im flachen Wasser. Eine laute Trillerpfeife ertönte und wir machten eine Frau in Warnweste als Quelle aus. Mist, baden doch verboten? Nein, sie rief nur jemanden im angrenzenden Pinienwäldchen zur Ordnung. Dann entdeckten wir die Polizeistation, mitten am Strand. Darauf, dass es keinen interessiert, wenn wir ins Wasser gehen, konnten wir hier also nicht spekulieren. 

Im Schatten einer Skulptur breiteten wir unsere Decke aus und ab ins Wasser. Nichts passierte und wir sahen auch noch andere Leute in den Wellen. Glück gehabt. Der Strand war ziemlich schön, etwas tiefer, etwas Wellen und hinter einem breiten Sandstreifen fängt das kleine Pinienwäldchen an. Die meisten Koreaner badeten in voller Bekleidung, um keine Sonne abzubekommen, viele ließen sich auf großen Schwimmreifen durch die Wellen treiben.

Nach ein paar Stunden hatten wir genug Wasser und Sonne und pusteten uns mit den Druckluftspendern an der Promenade frei vom Sand. An der Promenade gibt es außerdem mehrere Dusch- und Toilettenhäuschen. Weiter vorn entdeckten wir eine Tafel, wie man einen Hai erkennt und was man dann tun soll. Zu spät, zum Glück war uns keiner begegnet. 

Im Wohngebiet nebenan gab es Eiskaffee und Käsekuchen mit Blick auf die kleine Insel und den Leuchtturm, danach fuhren wir Riesenrad. Zum Glück waren wir so gut abgepustet und geduscht, denn „covered in sand” war in den Kabinen verboten. Wir hatten die perfekte Zeit abgepasst, hinter dem See ging gerade die Sonne unter und tauchte die Stadt in rosa-goldenes Licht. Von oben konnten wir Abai Island sehen, den endlosen Sandstrand und in der Ferne die Berge des Nationalparks. 

Am Abend landeten wir wieder auf dem Fischmarkt. Wir kauften Bustickets und kamen auf dem Weg zurück von der anderen Seite rein. Um den Fischmarkt kommt man einfach nicht drum herum. In den engen Gassen rings um den Markt dampften große Kessel, aber wir futterten uns heute lieber durch die Hallen. Tteokbokki, das sind Reiskuchen in scharfer Soße, und frittiertes Hähnchen standen auf dem Speiseplan. Hinter den meisten Essensstände gibt es sogar frostig klimatisierte Sitzbereiche.

Eine weitere Spezialität in Sokcho ist Sulpang, ein riesiges Gebäckstück aus Weizen und Makgeolli statt Hefe, mit Erbsen und roten Bohnen verziert. Wir sahen einen Stand mit einer kleinen Schlange. Der muss gut sein. Als wir uns anstellen wollten, merkten wir, dass die Schlange noch um die Ecke rum ging und ganz schön lang war. So konnten wir beobachten, wie die runden Kuchen mit gut anderthalb Metern Durchmesser einer nach dem anderen aus dem Dämpfer geholt und in Achtel geschnitten wurden. Oje, ein Stück für eine Großfamilie. Noch warm bekamen wir unseres in einer Tüte gereicht, schwer und weich wie ein Kissen. Geschmacklich? Ganz ok, aber etwas langweilig. Entweder stehen Koreaner einfach total gern Schlange oder es gibt hier sonst kein Hefegebäck. 

Wir ließen den Tag am Strand ausklingen, war ja auch der Strandtag. Jetzt passte die Polizei aber gut auf und das Meer war mit Flutlichtern ausgeleuchtet, eine ziemlich schöne Sicherheitsmaßnahme. Mit einem Bier setzten wir uns auf eine der Hollywoodschaukeln und schauten uns die grün leuchtenden Wellen an. Der Strand war auch am Abend gut besucht, viele Leute kamen zum Picknicken. In diesem Land geht scheinbar nichts ohne Essen.

Bevor unser Bus am nächsten Tag nach Busan fuhr, hatten wir noch etwas Zeit für einen weiteren Spaziergang zwischen Sandstrand und Pinienwäldchen und um die vielen Skulpturen im Sand anzuschauen. Wir tarnten uns mit Sonnenschirm als Einheimische. Am Ende der Promenade wird der Strand felsiger und ein Holzsteg führt weiter am Wasser entlang.    

Am Nachmittag zogen wir weiter. Die Fahrt nach Busan dauerte fünf Stunden. Anfangs hielten wir noch regelmäßig und bis Gangneung stiegen die meisten Leute aus. Dort legten wir eine längere Pause ein. Aber wer konnte das ahnen? Der Busfahrer tankte und ich dachte, das ist ein guter Zeitpunkt um mal zur Toilette zu gehen, die meisten anderen waren ja auch ausgestiegen. Christian meinte noch, ich solle dem Busfahrer Bescheid geben, aber da war er schon weg.    

Als ich zurück kam, war der Bus schon weg, ohoh. Natürlich hatte ich weder Telefon noch Reisepass oder Geld dabei. Ein aufgeregter anderer Busfahrer, sah mich und fragte: Busan? Er lud mich nur ein und fuhr los, vom Gelände runter. Oha, dann fahre ich wohl die nächsten drei Stunden mit diesem Bus, als einziger Fahrgast. Aber er fuhr nur ums Terminal herum zum Haupteingang, wo unser Bus stand und Christian gerade etwas traurig, weil bei seiner Suche erfolglos, mit meiner Handtasche aus dem Terminal kam.  

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