Busan – …is good, und die Zombies sind jetzt im Museum
Das war Liebe auf den ersten Blick. Kein Ankommen und warm werden mit der Stadt, nur aus dem Bus aussteigen und schwärmen. Kein Wunder, dass wir hier so schnell nicht wieder wegkamen, Busan ist einfach magisch.
Es war schon dunkel, als wir mit dem Taxi in die Innenstadt fuhren und wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Über die beleuchteten Brücken schlängelt sich die Straße an der zerklüfteten Küste entlang und über breite Buchten. Links die Lichtpunkte der Fischerboote und Inselchen, rechts Berge aus glitzernden Hochhäusern, bis wir irgendwann mittenrein in den Trubel von Nampo-dong abbogen, zwischen Hochhäusern, kleinen Buchten, Märkten und Essensttänden. Besonders eindrucksvoll war die Diamond Bridge, eine zweistöckige Hängebrücke. Stadteinwärts verläuft die Straße oben, sodass wir gleich den schönsten Eindruck hatten.
Wir wohnten in der Altstadt, in der Nähe vom Jagalchi Fischmarkt und konnten aus dem Fenster das Treiben im Hafen beobachten, besonders morgens ist dort die Hölle los und ein Boot nach dem anderen schießt in die Bucht. Abends ist das Viertel bunt beleuchtet. Klar, in eine Hafengegend gehört auch das Rotlichtviertel.
Wir hofften, am Abend noch etwas zu Essen zu finden. Aus dem Taxi hatten wir noch offene Essensstände in der Nähe gesehen. Dort angekommen wurden wir allerdings von einem Schaufenster abgelenkt, hinter dem Leute irgendwas riesiges mit Käse aßen. In einer flachen Pfanne mit fast einem Meter Durchmesser wurde ein breiter Mozarellastreifen zwischen Ramennudeln und gebratenem Hähnchen angerichtet. Lätzchen an und los gehts. Die Pfanne war fast so groß wie der Tisch und die obligatorischen Beilagen unterzubringen war garnicht so einfach. Zum Fleisch einpacken gab es hier sogar Shiso Blätter.
Nach dem Essen erkundeten wir die rustikalen Straßen Richtung Hafen, kauften überdimensionale Trauben von einem LKW und schlossen Bekanntschaft mit dem Verkäufer.
Am Morgen ging es direkt weiter mit lokalen Leckereien. Das Hotel servierte zum Frühstück Abalone Porridge, mit frischen Muscheln vom Markt. So eingestimmt steuerten wir den Fischmarkt an, der in den umliegenden Gassen von sehr rustikalen Restaurants angekündigt wird. Hier und da wurde schon der Grill fürs Mittagessen angeheizt. Die mehrstöckigen Markthallen waren noch kaum in Sicht, da reihten sich schon endlose Verkaufsstände aneinander, die alles was im Meer lebt im Sortiment haben.
Über den fertig ausgenommenen Fischen wedelte Alufolie, um die Fliegen zu vertreiben, daneben stapelten sich Muscheln, Krabben, Algen und Seeigel, am Boden immer eine Schicht fischig-blutiges Wasser. Unter den Marktschirmen staute sich die Hitze, sodass wir trotz der interessanten Atmosphäre froh waren, als wir die Hallen erreichten. In den kleineren gibt es hauptsächlich Restaurants, wo man sich die Mahlzeit aus einem Aquarium aussuchen kann. Einiges hier hatten wir noch nie gesehen, glitzernde lange Fische, bunte korallenartige Tiere und seltsame Würmer. Lebendes Essen auszusuchen war uns dann aber doch zu krass.
In der großen Halle liegt der Großmarkt, hier geht es laut und geschäftig zu. Drei Stockwerke mit Aquarien, brüllenden Händlern und fischigen Bächen auf dem Boden. Rings herum, in allen Gängen und auch in den angrenzenden Straßen wird überall kommissioniert. Wo immer Platz ist, werden dicke Styroporkisten gepackt und verklebt, auf Sackkarren verladen und in Autos gestopft. LKW hingegen sieht man nicht, man müsste meinen, dass der Fisch fürs ganze Land von diesem überdimensionalen Markt kommt, aber scheinbar werden all diese Massen in der Stadt gefuttert.
Weiter oben in der Markthalle befinden sich auf mehreren Stockwerken Büros, scheinbar ist es ganz schön aufwändig, den Fischhandel zu koordinieren. Über ein unscheinbares Treppenhaus erreichten wir die Aussichtsterrasse. Von oben hatten wir eine tolle Aussicht auf das Hafenbecken bis zur nächsten Brücke, die ein- und ausfahrenden Schiffe und auf die alten Wohngebiete, die sich auf der anderen Seite an die Berge schmiegen.
Da oben wollten wir hin, in diese alten Wohngebiete. Prima, direkt vor der Markthalle fuhr ein Bus. Während wir ca drei Minuten warteten, kamen mindestens zehn andere Linien, diese Stadt ist so unglaublich dicht besiedelt. Immer mal wieder hatten wir den Eindruck einer Miniversion von Hongkong, aber mit einer viel eispannteren Anthmosphäre. Auf einigen Bussen stand nur die Linie und der simple Slogan der Stadt “Busan is good”. Stimmt!
Auf halber Strecke entschieden wir, dass es für eine Stadtbesichtigung doch zu heiß war und stiegen beim nächsten Paris Baguette aus, wo wir uns mit einem Mandarinentee erfrischten. Dann besuchten wir das Busan Modern & Contemporary History Museum in einer ehemaligen Bank.
In dessen Keller befindet sich ein Museum für zeitgenössische Kunst, Vault, mit Wechselausstellungen. Die aktuelle war richtig gut. Betreut werden die Ausstellungen von Rentnern und eine ältere Dame hatte ziemlich viel Spaß an ihrem Job. Sie wies uns an, auf dem Teppich Platz zu nehmen, zeigte uns große Bücher mit künstlerischen Geschichten und bat uns, was rein zu malen. Natürlich alles mit Händen und Füßen. Dann zeigte sie uns die komplette Ausstellung, damit wir bloß keinen Raum übersahen.
Überall mussten wir dicke Tresortüren durchqueren und einige Ausstellungsstücke befanden sich hinter Gittern. Außerdem waren Zombies ein beliebtes Thema. Dabei sind wir extra mit dem Bus gekommen, aber um Zombies kommt man in Busan wohl nicht drum herum.
Mittlerweile hatte sich die unerträgliche Hitze draußen in ein heftiges Gewitter verwandelt und Regen wie aus Eimern klatschte im Sturm gegen alle Fenster. So traf sich die Entscheidung, ob wir das historische Museum in den oberen Stockwerken besuchen, von selbst. Am Eingang wateten wir durch ein immersives Meer und erfuhren dahinter viel über die japanische Besatzung und den Krieg. All die alten Viertel an den Berghängen, die wir vom Fischmarkt gesehen hatten, wurden im Krieg von Flüchtlingen gebaut. Auch die Kultur mit den Wahrsagestuben hat sich nach dem Krieg entwickelt, viele Menschen fanden dort Hoffnung, ihre Familien wieder zu finden. Die Ausstellung war ziemlich schön und greifbar mit Projektionen aufbereitet.
Der Sturm ging weiter und wir ergatterten einen freien Tisch in dem atmosphärischen Café Busano im Erdgeschoss. Zwischen der 80er-Jahre Bankeinrichtung gab es Kaffeecocktails mit Soda und Fruchtsaft, Goldbarren aus Kuchen und Matcha Baumkuchen mit unmöglich vielen, dünnen Schichten, bei klassischer Musik.
Eine Regenpause lockte uns schließlich wieder nach draußen, bä, kein Grad kühler, aber jetzt war es noch schwül. Schnell überlegten wir uns, was wir drin machen könnten und fuhren mit der U-Bahn nach Seomyeon. Auch hier in Busan erkennt man die U-Bahnlinie am Geräusch, Ozeandampfer in die eine Richtung, Möwengeschrei in die andere. Die Stationen liegen dicht beieinander, und so dauert die Fahrt ewig. Seomyeon ist ein modernes, zentral gelegenes Viertel. Wir wollten uns dort ein Lotte-Kaufhaus ansehen. Sowohl das Viertel, als auch das Kaufhaus erwiesen sich allerdings als sehr langweilig, breite, identische Straßen mit den üblichen geschmacklosen Modeketten.
Ausversehen gerieten wir jedoch in eine andere Mall, in der sich auf über zehn Stockwerken nur Schönheitskliniken für wirklich jedes Körperteil befinden. Aufsteller an den Eingängen warben mit großen Bildern für aufgespritzte Lippen, volles Haar oder makellose Arschlöcher. Dazwischen gab es Friseure und Zahnärzte, das ist hier scheinbar alles dasselbe.
Den Abend verbrachten wir wieder in Nampo, aßen einen großen Rippcheneintopf in einer dunklen Gasse und machten eine Spaziergang durchs Viertel. In den bunten Gassen kamen wir an einer deutschen Bierkneipe vorbei und standen schließlich vor einer langen Rolltreppe mit Bildern aus Neonröhren, die den Berg hinauf führte. Da war er wieder, der Eindruck vom Minihongkong. Mal sehen, wo uns die Rolltreppen hin führen, in den Yongdusan Park. Am oberen Ende warteten beleuchtete Wasserfälle, Wiesen mit Plastikblumen und Pilzen und eine eindrucksvolle Lichtshow an einem alten Glockenturm.
Noch etwas weiter oben steht der Busan Tower, um halb zehn abends waren wir die letzten Besucher und wurden ganz allein durch die lange Lane nach oben in die Aussichtsplattform gebracht. Dort wartete eine wahnsinns Aussicht auf die Stadt. Der Hafen, die Brücken, die übereinander gestapelten Hochhäuser am Berg. Busan ist einfach wunderschön.
Ein Stockwerk tiefer gab es die Aussicht durch U-Boot-Bullaugen und eine Fotobox. Auf Monitoren flogen wir über eine von Kraken und anderen Monstern belagerte Stadt, haha, Zombies reichen wohl nicht. Weiter unten sahen wir uns eine Ausstellung zum Feuerwerksfestival an, bevor uns ein Gewusel aus bunten Bändern zum Ausgang führte.