Salar de Uyuni – mitten im Himmel
Warum wir eigentlich hier waren? Die Salar de Uyuni, der größte Salzsee der Welt. Unser Touranbieter hatte Mitleid und bot uns eine Tagestour statt der verpassten drei Tage an. Alle Touren starten um halb elf. Erwartungsvoll saßen wir mit all unserem Gepäck an der Rezeption, alle wurden abgeholt, nur wir nicht. Ob man uns wohl vergessen hat?
Ja, tatsächlich. Aber nach kurzer Nachfrage wurde noch ein Guide organisiert und so kamen wir zu einer eigentlich wahnsinnig teuren Privattour.
Das Auto war schon betankt, kein Schlangestehen und auf den Tanklaster warten. So ging es direkt los, erstmal zum Eisenbahnfriedhof. Heute war dieser Markttag und wir mussten uns durch die völlig überfüllte Stadt quetschen. Je weiter außerhalb wir kamen, um so seltsamer wurden die Straßen, kilometerweit gab es nur Grundmauern. Christian fand, wie wenn ein Kind anfängt Lego zu bauen. Dann hinter der letzten Mauer, kam die endlose Wüste.
Auf einem riesigen Gelände rosten hier Züge vor sich hin, die früher Edelmetalle aus den Minen nach Chile brachten. Ein skurriler Ort. Die alten Gefährte in der grenzenlosen, staubigen Ebene verströmen eine mystische Stimmung. Schienen verlaufen in die endlose Weite.
Nebenan waren wieder die Künstler unterwegs und hatten lebensgroße Aliens, Roboter und Fabelwesen in die Wüste gestellt.
Der Guide war schnell organisiert, aber jetzt musste noch alles andere improvisiert werden, Picknickzubehör und Gummistiefel. Schließlich war alles auf dem Dach verschnürt und wir konnten los in Richtung Salz, fuhren durch endlose, karge Landschaften mit ein paar Sträuchern und Lamas. Plötzlich sah es in der Ferne so aus, als würde ein schmaler Streifen der Welt einfach fehlen, der erste Blick auf die Spiegelung der Salar, Wahnsinn.
Aber nicht so schnell, wir besuchten erst noch einen kleinen Künstlermarkt, auf dem es alles Mögliche aus Salz gefertigt gab und hinten dran die Werkstätten und dann war auch schon Zeit fürs Mittagessen.
Wir hielten an einem Wohngebäude im Nirgendwo und wurden in ein kleines schummriges Räumchen mit gepflastertem Boden geführt, wo an gemauerten Tischen mit bunten Decken schon andere Touristengruppen am Essen waren. Eine ältere Frau mit Schürze stapelte Essen auf unseren Tisch. Jeder bekam scheinbar die gleiche Portion, egal ob zwei oder sechs Personen. Schnell holten wir unseren Guide, Williams dazu, aber auch zu dritt schafften wir nur die Hälfte. Es gab einen Topf mit dem leckersten Quinoa, den obligatorischen Teller mit zarten Steaks, Gemüse und Melone.
Draußen war der Boden schon leicht mit Salz bedeckt, vollgefuttert fuhren wir weiter auf den fehlenden Landstrich zu, bis zur Schranke, hinter der die dicke, bis zu hundert Meter tiefe Salzschicht beginnt. Erst noch etwas schmutzig, von den vielen Reifen, die hier durch kommen, wird der Boden nach und nach heller.
Erster Stop war eine sprudelnde Quelle, die Qjos del Salar. Ein breiter eisenhaltiger Bach fließt hier durch die Wüste, ein mal kurz reingefasst, schon war die Hand komplett verkrustet. In eine Richtung war schon nur noch das endloses Salz zu sehen.
Die Salar de Uyuni ist vermutlich der unwirklichste Ort der Welt. Jede Perspektive und Entfernung geht hier verloren, sind es 500 Meter bis zu den Bergen oder mehrere Kilometer? Keine Ahnung. Alles was wir dazu wussten war, dass die Slar ungefähr so groß wie Hessen ist.
Williams ließ uns an einer Treppe in den Himmel aussteigen und nahm unsere Handys. Auf den schmalen, salzigen Stufen, waren wir fast sicher, dass aus den romantischen Fotos, die er von uns machen wollte, ein schmerzhaftes, lustiges Video werden würde. Auch von oben betrachtet gab es nur noch Salz um uns herum.
Dann kamen wir in einen kleinen Park mit riesigen Skulpturen und einem Labyrinth, alles aus Salz. Wir sollten in einer Stunde zurück sein und wunderten uns über die lange Zeit, bis wir das Labyrinth betraten. Von außen wirkte es klein und unspektakulär, aber nach zehn Minuten rumirren blieb uns nur die Ameisentechnik um durch die hohen Salzmauern zu dem Türmchen in der Mitte zu finden. Und auch damit waren wir noch eine Weile unterwegs. Rausfinden war einfacher, in der Mitte konnten wir über eine Treppe auf die Mauern klettern und uns einen Überblick verschaffen. Wie alles in dieser Salzwüste fühlte sich dieser Irrgarten wie ein surrealer Traum an.
Jetzt blieb noch etwas Zeit, um die riesigen Skulpturen zu bewundern. Meter hohe Lamas und Gürteltiere, aus Salz gemauerte Kondore, eine riesige Hand.
Wir fuhren immer tiefer in diese weise Ebene. Hier, wo der Boden nach der Regenzeit schon getrocknet war, bildet das Salz ein großes, gleichmäßiges Wabenmuster. Nur wenn wir auf das Muster achteten, konnten wir sehen, dass wir uns bewegten, wenn wir während der Fahrt aus dem Fenster sahen.
Mitten im endlosen Weiß steht ein altes verlassenes Hostel, mit Flaggen aus allen Ländern. Jetzt ist es ein Souvenirladen, ein Museum, ein Lost Place, ein bisschen von Allem.
Dann suchten wir einen einsamen Ort und Williams holte eine Matte und eine Weinflasche aus dem Kofferraum, legte sich mit unseren Telefonen auf den Boden und gab uns Anweisungen für die lustigsten Bilder.
Wir waren schon völlig überwältigt von dieser einzigartigen Landschaft, als wir die Gummistiefel ausgehändigt bekamen. Wir dachten, die Wüste wäre nach der Regenzeit schon ausgetrocknet und waren überrascht. Klar, das fehlende Weltstück vorhin, kann kein trockener Teil gewesen sein, aber das hatten wir in all dem weißen Nirgendwo schon fast vergessen und waren auch zu überwältigt, um noch mehr zu erwarten.
Als wir die Wasserfläche erreichten, trauten wir unseren Augen nicht. Wir stiegen aus dem Auto und standen einfach mitten im Himmel. Die Spiegelung in der Salar ist das beeindruckendste, was wir jemals gesehen haben.
Jetzt startete ein großes Gummistiefel Durchtauschen, bis jeder ein Paar hatte, das nicht passte. Meine waren zwei Linke und Christian hatte versehentlich eine 43 bekommen. Christian ging erstmal barfuß ins Wasser, was aber bald zu kalt wurde und bekam dann die ebenfalls zu kleine 45 des Guide, der Flipflops anzog, um aus dem fahrenden Auto ein Video von uns zu machen. Ich trug die riesige 43. Später gab ich die Williams und nahm die zwei Linken. So hatte irgendwann jeder die falschen Schuhe, aber keine kalten Füße.
Wir blieben im Wasser, bis die Sonne unterging und staunten und konnten uns nicht sattsehen an diesem surrealen Bild.
Zur romantischen Privattour gehörte eine rote Tischdecke, Wein und Snacks. An diesem Picknicktisch zu sitzen und bei einem Glas Wein den Sonnenuntergang zu beobachten, machte diesen Ort noch unwirklicher.
Die Sonne kam von oben und von unten und orange-rosa Schlieren nahmen die gesamte Umgebung ein, bis sich nach und nach alles zu einem dunklen Rot verfärbte, als die beiden Sonnen am Horizont zusammen liefen. Der Sonnenuntergang in der Salar ist wahrscheinlich der schönste der Welt.
Kaum war die Sonne weg, wurde es bitterkalt. Durch die dunkelrote Wüste fuhren wir zurück in die Stadt, direkt zum Busbahnhof, wo ich all meine warme Kleidung aus dem Rucksack zerrte und anzog, Wintermütze, Schal, Handschuhe, mehrere Jacken. Bei einem heißen Mate de Koka warteten wir auf Stefan und auf den Bus.