Busan – Tempel und ein alter Japanerfriedhof
Busans Hauptsehenswürdigkeit ist vermutlich der Haedong Yonggungsa Tempel in Haehundae, am anderen Ende der Stadt. Mit dem Taxi waren wir eine Stunde unterwegs, die Wege in dieser Stadt sind weit. Der Tempel schmückt sich mit dem Titel, der schönste des Landes zu sein, die Touristenmassen kassieren allerdings die komplette Atmosphäre. Schön ist er trotzdem, besonders von den benachbarten Felsen aus betrachtet, wie er sich in die schroffe Landschaft klammert und den Wellen trotzt.
Das Taxi ließ uns ein paar hundert Meter oberhalb, am Beginn des obligatorischen Souvenir- und Snackmarktes raus. Dahinter empfingen uns lebensgroßte Figuren der Sternzeichen und ein Hügel mit einem kleinen Bambuswäldchen. Noch vor dem Tempeleingang liegt die neunstöckige Pagode der Verkehrssicherheit. Ja, das kann in dieser verstopften Stadt sicher nicht schaden.
Über Treppen, von Bambus und Steinlaternen gesäumt und durch einen Felsentunnel ging es noch weiter nach unten bis zum Meer, wo wir vor dem Tempel erstmal zu besagtem Aussichtsfelsen abbogen und den herrlichen Anblick genossen. Gelb bemalt und mit einer steinernen Brücke verziert thront der Tempel in der felsigen Bucht, darüber ein großer Buddha. Im Hintergrund führt ein Pfad vorbei an einfachen Ziegelpagoden zum Kloster in ein Pinienwäldchen.
Der Weg zum Eingang führt an stapelweise goldenen Blättern mit guten Wünschen vorbei und auf der Brücke versuchten Leute Münzen in ein Becken zu werfen, bejubelt von Steinskulpturen. Hinter einem Himmel aus Lampignons verbirgt sich der Haupttempel mit seinen wunderschönen Wandbildern und hellblauen Dachschnitzereien. Zum großen Buddha führt eine mit Bambus überwucherte Treppe.
Den Hof dekorieren zwei fette Glücksschweine und eine Treppe führt nach unten in eine geheimnisvolle Grotte mit heiliger Quelle. Dahinter entdeckten wir ein Café.
Zeit für einen kalten Kaffee, wir bestellten uns Gebäck mit roter Bohne dazu und setzten uns ins Fenster mit Blick auf Meer und Tempel und überlegten, was wir mit dem Rest des Tages anfangen wollten. Ganz in der Nähe liegt der Blueline Park, aber es gab gar keine Tickets mehr. Wir kauften schnell welche für morgen und fuhren zurück nach Süden, wir hatten ja noch Pläne von gestern, Gamcheon Village. Rückblickend muss man sagen, das ging so weiter in Busan, immer mit etwas Verzug. Die Wege in der Stadt sind einfach weit und die Möglichkeiten für einen guten Tag scheinbar unendlich. So langsam bekammen wir eine Idee davon, warum Busan so polarisiert. Hat man Zeit, ist es wunderschön, hat man keine, kann man eigentlich auch gleich wieder abreisen.
Das Taxi steckte bald hupend in Menschenmassen fest, wir stiegen aus. Vielleicht ist auch Gamcheon die Hauptsehenswürdigkeit. Das Viertel, während des Krieges von Flüchtlingen aus dem Norden erbaut, krallt sich mit seinen kleinen blauen Häusern kilometerweit in den Berg. Ganz oben gibt es die meisten Aussichtspunkte, wunderschön, aber völlig überlaufen. An manchen Aussichtspunkten, wie dem mit dem kleinen Prinzen, bildeten sich lange Schlangen für Fotos, die sogar einen eigenen Ordner erforderten. Durch ein leerstehendes Haus kamen wir eine ruhigere Etage tiefer. Das Haus hatte so niedrige Decken, dass wir nicht aufrecht darin stehen konnten. Damals gab es viel zu wenig Baumaterial und die Menschen brauchten schnell eine Unterkunft.
Wir suchten uns einen Weg aus der Masse und wagten uns ein paar Etagen nach unten, hinein in den Irrgarten. Steile Treppen und schmale Pfade führen zwischen den Häusern hindurch, hier und da wird auf den engen Wegen Gemüse angebaut und zahllose Katzen streifen umher. Vereinzelt saßen ältere Leute in den Hauseingängen oder standen in den Gassen bei einem Plausch zusammen. Stromleitungen wurschtelten sich kreuz und quer den Berg hinunter und immer wieder öffnete sich der Blick über die niedrigen Dächer bis zum Meer.
Um wieder aus dem Labyrinth hinaus zu finden, hielten wir uns an die Treppen nach oben. Zeit für einen Snack. An der Tourimeile gab es das beliebte Eis im gerösteten Marshmallow, hier mit Dinosaurierbrenner. Es schmeckte wie Schokoeis mit Zuckerwatte und war überraschend lecker.
In den Bergen um die Innenstadt gibt es mehrere solcher alten Stadtviertel. Über einen Hügel ging es direkt zum nächsten. Das war eigentlich viel interessanter, genauso schön, aber völlig frei von Touristen, Tombstone Village. Die Einwohner fanden hier damals einen Friedhof der japanischen Besatzer vor und damit praktisches Baumaterial. Die Grabsteine hatten für sie keine Bedeutung und wurden kurzer Hand zu Treppen und Mauerteilen. Noch heute kann man sie zwischen und an den Häusern erkennen. Teilweise sind sogar noch Inschriften und Verzierungen zu sehen. Auch hier trafen wir hauptsächlich auf ältere Leute. An der breiteren Hauptstraße erzählte eine Fotoausstellung von der Geschichte des Dörfchens und am Oberen Rand gibt es eine fast unverbaute Aussichtsterrasse. Auf der Suche nach den interessantesten Steinen verliefen wir uns bald getrennt im Gassen- und Treppenlabyrinth, trafen uns aber unten wieder.
Obwohl wir einen U-Bahn-Eingang direkt vor der Tür hatten, wohnten wir genau zwischen zwei Stationen, die über einen unterirdischen Markt verbunden waren. Vermutlich verläuft der Markt sogar über alle Stationen. Hier gab es neben Ramsch und Snacks auch Kleidung und Campingbedarf. Rein in die Station war leicht, rausfinden eine ganz andere Sache. Jede U-Bahn Station hat eigene Nummern für die Ausgänge, der Markt allerdings auch. Heute landeten wir an der Straße mit den Essensständen vom ersten Abend und wollten noch ein paar Teigtaschen mitnehmen. So nicht, wir sollten uns setzen und alles probieren, bezahlt wurde pauschal. Für 4000 Won, ca 2,50€, wurden wir mit Fishcake, Reiskuchen und Suppe vollgestopft. Eigentlich wollten wir abends noch Fisch essen, aber daraus wurde jetzt erstmal nichts.
Stattdessen machten wir einen Spaziergang durch die Straßen am Biff Square. Am Abend waren dort eine Reihe weiterer Essensstände aufgebaut und ein kleiner Snack ginge schon. Das traf sich gut, denn die Stände waren zum Trinken gedacht. Das Essen war dafür etwas teurer, wie wir es schon aus Seoul kannten. Wir wählten einen Stand an dem schon ein paar Einheimische für ein Feierabendbier saßen. Die Standbetreiberin kam herum und setzte sich neben uns, um uns, wie zwei kleinen Kindern bei der Essensauswahl zu helfen. Sie sprach kein Englisch aber das ganze Angebot lag in der Theke und sie machte uns verschiedene Vorschläge. Wir entschieden uns für Abalone und gegrillte Seezunge. Als Vorspeise bekamen wir einen Teller Obst mit Chilisoße und ein Rührei, während sie nach und nach die kleinen Gerichte für uns zubereitete.
Mit Händen und Füßen gab es etwas Smaltalk mit unseren Tischnachbarn. Als sie gingen, nahm eine Gruppe jüngerer Leute deren Platz ein. Viele Ausländer gab es hier nicht und sie waren etwas schüchtern, aber wollten sich scheinbar trotzdem gern unterhalten. Sie lösten das Problem, indem sie eine große Suppe bestellten und uns zwei Teller davon anboten, so sei die koreanische Kultur. Ab hier stellte sich heraus, dass sie ganz gut Englisch sprachen, einer war der Neffe der Standbetreiberin. Sie freuten sich, dass wir Busan so mochten und wollten wissen, was wir schon gegessen und gesehen hatten.
Die Abrechnung funktioniert so, dass alles stehen bleibt, jeder Teller, alle leeren Bierflaschen, dann wird einfach gezählt. Die obligatorische Klorolle als Serviettenersatz darf natürlich auch nicht fehlen.