Korsika – Porto und Evisa – Felsformationen, Kühe und Wasserfälle
Schon von der Straße aus ist der Genueserturm von Porto unten am Hafen zu sehen, ein Bilderbuchanblick. Die Bucht liegt kilometertief in den kargen Felslandschaften von Scandola und der Calanche. Und genau für diese Landschaften sind wir hier. Porto selbst ist ein hässlicher Touristenort, aber zahlreiche Bootstouranbieter sorgen dafür, dass man ihn schnell wieder verlassen kann. Es gab so viele Angebote, dass wir den halben Tag mit Vergleichen beschäftigt gewesen wären. Wir nahmen also einfach das erste, an dem wir vorbei kamen. Tja, Speedboot, lustig, aber vier Stunden ohne Schatten?
Durch den mit Reisegruppen vollgestopften Hafen machten wir uns auf die Suche nach dem richtigen Anleger, der mit dem Delfin, und verspachtelten uns mit einer dicken Schicht Sonnencreme. Dann steigen wir auf einen der sattelartigen Sitze und schon ging es los. Das kleine Boot hüpfte über die Wellen, wer kotzen muss, sollte die Hand heben – niemand, Glück gehabt.
Zuerst fuhren wir auf der linken Seite der Bucht entlang, an der Küste der Calanche. Rote Felsen bilden hier die verrücktesten Formationen und mit dem kleinen Boot konnten wir durch schmale Felsspalten in spektakuläre Höhlen fahren. Dort drin war der Kontrast zwischen dem tiefblauen Wasser und dem roten Fels besonders eindrucksvoll, leuchtend rote Korallen taten ihr Übriges. Der Kapitän untermalte das ganze mit Möchsgesängen. Hohe Säulen ragen hier eindrucksvoll aus dem Meer und wir fuhren mitten durch.
Dann ging es holprige 20 Minuten auf die andere Seite der Bucht, in die jüngere, vulkanische Landschaft. Scandola ist das einzige Unesco Naturerbe Korsikas. Hier gibt es weder Straßen noch Wanderwege, nur wilde Tiere, zwischen den bröseligen roten Steinen und vereinzelten grünen Büschen. Auch hier haben sich wilde Felsformationen gebildet, die meisten sehen aus wie Gesichter oder aufgerissene Tiermäuler und mit etwas Phantasie ragen verschiedene Tierfiguren aus dem Meer.
In einer kleinen Bucht von Scandola, liegt das Dörfchen Girolata, ohne Straßenanbindung. Auf einer Landzunge sahen wir zuerst den Genueserturm, der Hafen versteckt sich dahinter und dort wartete eine Überraschung. Zwischen den Booten tummelte sich eine Kuhherde, einige machten ein Nickerchen auf dem warmen Strand, andere nahmen an Fotosessions mit Touristen teil und zeigten sich in ihren schönsten Posen. Aber einzelne waren auch ganz schön genervt von den vielen Besuchern. Ohoh. Wir ließen die Tiere lieber in Ruhe, holten uns ein Eis und spazierten nach oben durchs Dorf. Die meisten Boote waren gerade abgefahren und die nächsten kamen erst später, sodass das Örtchen für eine halbe Stunde ziemlich verschlafen war. Wie es wohl ist, in einem so abgelegenen Ort zu leben, der alle paar Minuten von Touristenhorden überrannt wird?
Über Porto zog ein Gewitter auf. Den Badestopp ließen wir deshalb aus und fuhren zurück, schafften es aber trotzdem nicht zum Hafen, bevor das Unwetter losging. Mit dem Boot fuhren wir mitten in die düstere Front aus dicken Regentropfen, ich versteckte mich unter meinem Handtuch. In Porto wurden wir mit einem wunderschönen Regenbogen entschädigt.
Wir blieben in Porto und hatten die Qual der Wahl, drei Campingplätze hat der Ort und alle drei liegen direkt nebeneinander. Wir entschieden uns für den Mittleren und der war so steil, dass wir schon mit dem normalen Auto Schwierigkeiten hatten, auf unsere Terrasse zu kommen. Bloß nicht stehen bleiben. Das Personal quetschte sich im Golfcart zu dritt in die vordere Sitzreihe, wenn jemand hinten säße, würde der an den meisten Stellen einfach den Berg runter purzeln.
Wegen der Nebensaison hatte das Restaurant schon geschlossen, aber kein Problem, das nächste liegt nur über die Straße, keine Minute vom Campingplatz entfernt. Schon auf dem Hinweg dämmerte uns, dass die Sache einen Haken hat. Der Rückweg! Hoffentlich haben wir nichts unten vergessen. Im Supermarkt deckten wir uns noch mit Baguette und fragwürdigen Getränken ein und kraxelten dann eine viertel Stunde über die steilen Terrassen zu unserem Stellplatz. Vom Regen war es jetzt auch noch super schwül. Das traumhafte Bergpanorama entschädigte uns für den Aufstieg, besonders jetzt am Abend, wenn der Sonnenuntergang die Gipfel rosa färbt.
Auf halber Höhe des Platzes gibt es außerdem einen wunderschönen Pool, mit künstlichen Felsen, im Stil der nahegelegenen Badegumpen.
Den nächsten Tag verbrachten wir in den Bergen, in den Wäldern um Evisa. Und wieder war die Anreise eine Hauptattraktion, die Straße führte um tiefe Schluchten herum und durch Felsspalten und immer wieder zu den spektakulärsten Aussichten. Der Gegenverkehr bestand hauptsächlich aus schwarzen Hausschweinen, Ziegenherden, die uns furchtbar anpöbelten, wenn wir vorbei wollten und vereinzelten Kühen.
Evisa ist ein verschlafenes, hübsches Bergdörfchen, nur ein paar Wanderer und Radfahrer verirren sich zur Mittagszeit hierher. Dabei lohnt sich der Zwischenstopp schon für das Kastanien Tiramisu.
Im Wald oberhalb beginnt die Wanderung zu den Aitone Wasserfällen, ein idyllischer Weg unter Kastanien- und Nadelbäumen, entlang einer tiefen Schlucht. Über steile Treppen geht es das letzte Stück hinab zum Fluss. Dessen oberer Teil schlängelt sich in einzelnen Rinnsalen zwischen riesigen Felsbrocken hindurch, überall tropft und plätschert es dort zwischen Moosen und Flechten und das Wasser spiegelt sich ganz verzaubert im hellen Fels. Weiter unten laufen all die Rinnsale zu kleineren Wasserfällen zusammen und in ein großes grünes Becken. Der nächste Badeplatz, der schöner ist, als der vorherige. Aber auch kälter.
Auf dem Rückweg entdeckten wir ein weiteres atmosphärisches Bergdorf, Marignana, und wurden am Ortseingang von Kühen und Eseln empfangen. Zwischen alten Fassaden, bröckeligen Treppen und einem seltsam offenen Kirchturm gab es das schönste Bergpanorama.