Trinidad – ein Tag auf dem Fluss
Unser Guide kam auch am nächsten Tag zum Frühstück vorbei. Er schwenkte irgendwas langes grünes in der Hand und zeigte es uns fröhlich durch die Tür. “Hab ich unterwegs auf einem Baum gefunden.” Diesesmal wollte er nicht, dass wir die Schlange in die Hand nehmen, sondern setzte sie behutsam ins Gebüsch. Soweit wir ihn bisher kannten, war das ein sicheres Zeichen dafür, dass sie ziemlich giftig war.
Anschließend packten wir alles, was man für einen Tag auf den Flüssen des Amazonasbeckens braucht, auf ein etwas größeres Boot. Uns fiel da vor allem Deet, Sonnencreme und Wasser ein. Alles andere war Luxus und dafür hatten unsere Gastgeber natürlich wieder ausgiebig gesorgt. Es gab sogar eine kleine, abenteuerliche Toilettenkabine auf dem Boot.
Wir fuhren die übliche Strecke durch den Wald raus, aber bogen dann bald auf den breiten Rio Ibaré ab. Hier gab es total viele Brüllaffen und einige kleine bunte Tukane, die frech von den Bäumen krächtsten. Die aufregendsten Tiere heute waren die rosa Flussdelfine, je weiter wir flussabwärts kamen, um so häufiger sahen wir sie. Eigentlich sind sie grau und werden nur rosa, wenn sie viel schwimmen, weil ihre Haut so durchsichtig ist. Mit ihrem langen schmalen Kopf und Körper können sie sich durch jedes Gestrüpp winden. Manchmal erschreckten uns die fauchenden oder hustenden Geräusche beim Auftauchen.
Nach über einer Stunde erreichten wir den Río Marmoré, den größten Fluss Boliviens. Er mündet direkt in den Amazonas. Weil er aus den Anden kommt, hat er eine ganz andere Farbe als der vom Regen gespeiste Ibaré, ganz braun von den Sedimenten. Die Flüsse vermischen sich nicht gleich und fließen eine ganze Weile so zweifarbig nebeneinander her. Der größere führte haufenweise große Bäume mit, die von Weitem aussahen wie Fischerboote. Durch die unterschiedliche Strömung bilden sich an der Kante wilde Strudel.
Von hier aus fuhren wir in eine idyllische Bucht. So weit das Auge reicht, wuchsen dort nur Wasserpflanzen und niedrige Sträucher auf den wenigen trockenen Flächen. Die Pampas, diese Landschaft erstreckt sich von hier aus über mehrere hundert Kilometer bis zur brasilianischen Grenze.
Ein Gewitter zog auf und Blitze zuckten über die endlose Ebene. Schnell zogen wir unsere Schuhe an, um nicht mit dem Metall des Bootes in Berührung zu kommen. Die Delfine waren ganz aufgeregt. Wir fuhren zurück zum Fluss und Ronco machte das Boot im Gestrüpp fest. All unsere Sachen banden wir unters Dach, dann peitschte einer der letzten Wolkenbrüche der Regenzeit übers Wasser.
Was machen wir nun? Abwarten und Mittagessen. Natürlich hatten wir ein leckeres Picknick eingepackt bekommen und unser Guide verwandelte das Boot in ein Esszimmer.
Auch die Hängematten waren eingepackt worden, wo kämen wir denn hin, ohne Siesta. Zum Nachtisch gab es noch ein Bier und dann eines der besten Mittagsschläfchen aller Zeiten, während noch die Reste des Regens aufs Dach trommelten.
Nach einer Stunde wurden wir langsam geweckt, indem wir schaukelnd in einen Seitenarm gefahren wurden. Die Sonne war zurück, Zeit für ein erfrischendes Bad bei den Delfinen.
Wegen der starken Strömung bekamen wir ein paar angeleinte Schwimmreifen ausgeworfen. Ronco hatte wohl keine Lust uns auf dem Amazonas wieder einzusammeln. Das Wasser war warm und trotz des Regens recht klar. Um uns herum wucherte der Dschungel und die neugierigen Delfine kamen etwas näher. So ganz geheuer waren sie uns nicht. Sie sind zwar süß, aber können einen Kaiman töten, indem sie ihn mit ihrer langen Schnauze ins Herz stoßen. Uns ließen sie aber in Ruhe und so ließen wir uns am Ende doch eine gute Stunde mit ihnen im Wasser treiben.
Als wir zurück aufs Boot kletterten zeigten sie uns aber doch noch, war sie von uns hielten, brachten das Boot zum schwanken und spritzen uns mit ihren Schwanzflossen nass. Wir beobachteten sie noch eine Weile, während wir uns auf dem Dach trocknen ließen und fragten uns, ob wir sie störten oder sie uns nur als Spielzeug betrachteten.
Um unser Abendessen sollten wir uns heute mal selbst kümmern. Spoiler, am Ende gab es Spagetti Bolognese. Wir fuhren zurück in die Pampas und hielten an einer flachen, trüben Stelle und spießten rohe Fleischstückchen auf die Haken von sehr einfachen Angeln. Die Piranhas waren allerdings schlauer als wir, sie knabberten das Fleisch einfach ab. Ronco hingegen fing zwei, aber beide waren sehr klein, einen warf er sogar zurück. Vorher ließ er ihn mit seinen fiesen kleinen Zähnchen einen Stock zerbeißen, ein Finger wäre da auch ab gewesen. Der Fisch knurrte grimmig. Piranhas gibt es in allen möglichen bunten Farben, wir brachten nur einen leuchtend roten mit nach Chuchini.
Am Abend fuhren wir zurück, entdeckten unterwegs noch einige Affen und Tukana und begegneten Fracht- und Flusskreuzfahrtschiffen. Wildenten flogen aufgeschreckt in der Dämmerung vor uns her und als wir die Insel erreichten, zogen schon die ersten Fledermäuse ihre Kreise. Äffchen erwartete uns an der Treppe und oben gab es natürlich ein kaltes Getränk. Außerdem hatten wir ausnahmsweise heißes Wasser in der Dusche, wir wussten garnicht, dass das geht. Wozu auch? Nach dem Gewitter war es aber tatsächlich etwas kühler und für die Einheimischen wahrscheinlich frostig kalt.