Busan – Drohnen am Strand und der Blue Line Park
Am Morgen fuhren wir wieder Richtung Haeundae, heute mit der U-Bahn und das war garnicht so einfach. Die Verkehrsplaner von Busan haben scheinbar viel Humor. Wir stellten uns vor, wie sie zusammen saßen und entschieden, wo die Endhalte der U-Bahnen liegen und wie sie am besten heißen sollten, um Touristen mal so richtig zu verarschen. Dann haben wahrscheinlich alle laut gelacht und gesagt, so machen wir’s. Unsere Linie fuhr von Nampo nach Nopo, das kann man sich sogar noch merken, auch wenn es sehr ähnlich klingt. Umsteigen mussten wir aber in die Linie, die von Jangsan nach Yangsan fährt. Anfangs merkten wir nicht mal, dass das unterschiedlich geschrieben wird und liefen verwirrt zwischen den Bahnsteigen hin und her.
Der Blue Line Park ist ein felsiges Küstenstück mit Kiefernwald, an dem man spazieren gehen oder fahren kann. Auf Schienen hoch oben fahren die kleinen bunten Skykapseln und unten der Beachtrain. Wir fuhren mit einer Kapsel zum Strand und mit dem Zug zurück. Aber nicht so schnell, erstmal bekamen wir eine Nummer, mit der wir nach 20 Minuten zum Anstehen aufgerufen wurden. Es war nämlich nicht genug Platz für eine lange Schlange.
Beim Anstehen sahen wir schon die bunten kleinen Wägelchen einfahren, wie winzige Straßenbahnwaggons, in allen Farben. Dazu dudelte kitschige Musik und wir fühlten uns ein bisschen wie in einem Freizeitpark.
Unsere Kapsel war grün, wir krabbelten rein und tuckerten hoch oben über dem Meer aus dem Bahnhof. Die Fahrt war total schön, in der wahnsinnig idylischen Landschaft zwischen Wellen, Felsen und Pinien kamen uns die bunten Kapseln entgegen und in der Ferne waren bald die Hochhäuser von Haeundae Beach zu sehen. Dort angekommen, spazierten wir durch einen kitschigen Blumentunnel, bis der Beachtrain zurückfuhr. Der war eigentlich auch schön, alle Sitze sind zum Meer ausgerichtet, aber total überfüllt. Der Zug fuhr weiter als die Kapseln und direkt am Fußweg entlang. Als eine der nächsten Haltestellen war ein Skywalk angeschrieben, also blieben wir drin.
Von den steilen Klippen ragt eine blaue Schleife gut 30 Meter ins Meer hinaus, 20 Meter hoch über dem Wasser und schroffen Felsen, auf denen sich die Wellen brachen. Anfangs gab es nur schmale Glasfenster im Boden, zum Eingewöhnen. Weiter draußen wird das Glas breiter, bis es nur noch den Glasboden gibt. Aufregend und etwas gruselig, einige Leute hatten sich wohl übernommen und jammerten, denn der Weg war Einbahnstraße. So ganz genau wurde das allerdings nicht genommen, wer zu viel Angst hatte, durfte auch zurück. An den Felsen und Betonpfeilern konnten wir sehen, dass das Wasser nicht besonders tief ist, jeder Schritt ein Abenteuer.
Zur Ausgangsstation nahmen wir den Fußweg, so nahe am Stadtzentrum kamen wir schon an Feldern und kleinen Einfamilienhäusern vorbei und trafen auf zwei große, zutrauliche Schmetterlinge. Dann nahmen wir einen klapprigen Bus zurück nach Haeundae Beach. Die Busfahrt hätte man auch als Achterbahn verkaufen können, steile Berge mit engen Kurven rauf und runter. Der Bus hielt mindestens alle 200 Meter, viele Leute fuhren trotzdem nur eine Station durch das Wohngebiet, weil die Straßen wirklich sehr steil waren. Zwischen den Hochhäusern blitze immer mal wieder das Meer durch. Supermärkte gab es auch hier keine, aber wir kamen an mehreren größeren Straßenmärkten vorbei. Korea scheint tatsächlich kein Supermarktland zu sein.
Nur eine Hochhauszeile vom Badestrand entfernt stiegen wir aus und holten uns einen Snack für ein kleines Picknick. Statt Paris Baguette gibt es hier Omas Brötchen. Schon tauchte der wunderschöne breite Sandstrand vor uns auf. Was für eine Überraschung, auch hier waren noch Leute im Wasser. Scheinbar wurde die Badesaison überall weit in den September hinein verlängert. Wie traurig, dass wir keine Badesachen dabei hatten, das Wasser sah herrlich aus. Morgen wollten wir abreisen. Planänderung, wir buchten ein Strandhotel.
Eine Durchsage kündigte eine Militärübung an und eine lange Kette Kriegsschiffe tauchte am Horizont auf. Kurz darauf waren mehrere sehr laute Explosionen zu hören. Außer uns und einer Handvoll anderer Ausländer schien das aber niemanden zu interessieren.
Nachdem wir am nächsten Tag die übliche Stunde Stau zwischen Nampo und Haeundae hinter uns gebracht hatte, ließen auch wir uns hier in den warmen Wellen treiben. Die Koreaner waren wieder in voller Bekleidung im Wasser. Wie schon in Sokcho, gab es zwar jede Menge Möwen über dem Meer, aber sie kamen seltsamerweise niemals zum Strand. So konnten wir uns ungestört unter unsere Regen-/Sonnenschirme setzen und das obligatorische Kimbap futtern. Am späteren Nachmittag brauchten wir den Schirm nicht mehr, die riesigen Hochhäuser spendeten gestreifte Schatten. In der Ferne sahen wir die bunten Blue Line Kapseln zwischen Pinien und Klippen. Der Strand war wunderschön und wir freuten uns über die Entscheidung, noch geblieben zu sein.
Der Umzug nach Haeundae fühlte sich an, als wären wir in einer anderen Stadt. Zum Meer hin verlaufen breite Straßen, große, bunte Restaurants und Bars prägen das Bild und es herrscht eine ganz andere Atmosphäre. Das Hongkongfeeling wird abgelöst von dem bekannteren “Miami des Ostens” Eindruck. “Busan is good” gilt aber auch hier.
Am Abend fuhren wir eine Bucht weiter nach Gwangalli Beach. Noch ein Grund zu bleiben, jeden Samstag gibt es hier eine Drohnenshow vor der Diamondbridge. Der Einzige Conviniencestore auf dem Weg zum Strand macht vermutlich jeden Samstag das Geschäft seines Lebens und auch wir nahmen uns ein Bier mit zur Show.
Wir setzten uns ganz vorn in den Sand, oh das war zu optimistisch, fast hätte uns eine dicke Welle erwischt. Boote fuhren durch die Bucht und schossen Feuerwerk ab, mindestens eine viertel Stunde. Die Brücke war währenddessen in eine bunte Lichtershow gehüllt, die selbstverständlich mit dem riesigen Slogan “Busan is good.” endete. Dann wurde ein Countdown auf die Brücke projiziert und es ging los. Schon bevor die erste Drohne aufgestiegen war, waren wir völlig begeistert von der Show. Blumen, ein niedliches Monster und koreanische Schriftzüge tanzten zu wechselnder Musik über der Bucht. Ab und zu verließ eine Drohne die Formation und eine andere kam zurück. Für jedes Wochenende wird hier eine neue Choreografie geschrieben.
Beim ersten Durchgang waren wir etwas zu weit weg und konnten nur einige Figuren erkennen. Faszinierend war es dennoch, und die passende Musik kam auch bei uns an.
Aus der Nähe sahen wir uns auch noch die zweite Show an. Die Drohnen formten einen Sternenhimmel, dann einen Kakadu und flogen schließlich wie Blüten auseinander. Es war einfach wunderschön.
Zwischen den Shows hatten wir Hunger und das erstbeste Restaurant behauptete die landesweite Nummer eins für Reisschüsseln zu sein. Das glauben wir erst, wenn wir probiert haben. Im ersten Stock standen wir vor einem Bambusbeet mit Brünnchen und sollten erstmal bestellen, bevor wir auf einen freien Tisch warten durften. Das Restaurant sah ein bischen aus, wie ein kleines Dorf. Aus den riesigen Fenstern sahen wir das Feuerwerk in der Bucht weiter laufen. Schließlich wurden aus großen, gusseisernen Töpfen Suppen geschöpft und auf den nächsten freien Tisch gestellt. Dazu bekamen wir ein Kästchen mit Vorspeisen und die waren schon unbeschreiblich lecker. Der Reismeister zeigte, was er kann. Frittierter Kürbis, Wildkräutersalat, Oktopus in Annanas-Majo Sauce. Der Reis buk in Metallschüsseln im Holzgestell, ähnlich wie Bibimbap, oben drauf die leckersten Gewürze, Gemüse und Muscheln. Dazu bekamen wir noch zwei weitere Holzkisten mit Beilagen alles davon in unfassbar lecker. Kann allein Wasabi so gut schmecken, dass man einen ganzen Esslöffel davon essen kann? Ja! Der Reismeister hat überzeugt. Und die Rechnung? Umgerechnet 20€ Pro Person, mit Getränken für eine der besten Mahlzeiten, die wir jemals hatten, unglaublich.