Busan – BIFF, Bambus und wo man in Korea einkauft

Busan – BIFF, Bambus und wo man in Korea einkauft

Weil wir in Haeundae Beach erst am Nachmittag einchecken konnten, blieben wir vorher noch etwas in Nampo und schlenderten ziellos durch die Gegend. 

Ein paar Meter die Straße hoch führt eine Treppe in einen klimatisierten unterirdischen Gang. Art Street stand oben auf einem Wegweiser, wir vermuteten eine Kunstgalerie. Die fanden wir zunächst auch, sogar mehrere, in unterschiedlichen Stilen. Allerdings war nur wenig besonderes dabei. Daneben gab es Läden mit Dekoartikeln und mehrere Gardinenstände, wo auch gleich jemand mit Nähmaschine saß. Alle Läden waren offen, aber außer bei den Gardinen gab es keine Menschen, nur Telefonnummern, falls man etwas kaufen will. Es dauerte eine Weile, bis wir verstanden, dass wir nicht in einer Kunstausstellung, sondern sowas wie dem koreanischen Ikea gelandet waren. 

Am anderen Ende des Ganges kamen wir in der Nähe des Gukje Marktes nach oben. Wir waren immer noch verwundert, dass sich in einem so reichen Land das Supermarktkonzept nicht etabliert hat und Einrichtungshäuser scheinbar auch nicht.

Auf beiden Seiten der Hauptstraße liegen die Markthallen und alle paar Meter zweigt eine Gasse mit Ständen ab. Hier gibt es alles, angefangen mit Ständen für Schnaps, Zigaretten und Drogerieartikel, immer in dieser Kombination, über Hausschuhe und Reinigungsmittel. Dann kommen Gewürze und Gemüse, Fleisch, Fisch, Kuchen. Alle paar Meter ändern sich die Gerüche und mischen sich mit denen von asiatischen Desinfektionsmitteln. Von diesem Markt waren wir schwer beeindruckt. 

Einige Stände verkaufen nur verschiedene Kimchis, klar, das reicht fürs Sortiment, bisher haben wir keine einzige Mahlzeit ohne bekommen. Nicht mal Frühstück gibt es in diesem Land ohne scharfes, fermentiertes Gemüse. 

Hier und da wurde gekocht und Frauen mit Tablets auf dem Kopf rannten durch die Gänge, um den Standbetreibern ihr bestelltes Mittagessen auszuliefern. 

So sieht das Zentrum des Marktes aus, aber scheinbar sind hier nicht nur Supermärkte unbeliebt, sondern auch Möbelgeschäfte, Baumärkte und Geschäfte für alles was man außer Convenienceprodukten, Kosmetik und Snacks sonst noch benötigt. 

Außerhalb der Markthallen sind die Straßen mit Folie und Schirmen überdacht. Hier wird es erst richtig spannend, es gibt dort Großküchenbedarf, wie riesige Kocher, Dämpfer, Herde und Spülen, einfach an der Straße gestapelt. In die andere Richtung werden Tische, Messer und Geschirr auf gefährlich hohen Stapeln angeboten. Hier gibt es sogar vereinzelt kleine Ladenräume, aber das meiste Zeig steht draußen und passt vermutlich auch nicht über Nacht in die winzigen Räume. Besonders interessant sind die Stände mit wackelig hoch gestapeltem Bettzeug und Kissen, hier ist es ganz still, weil die Waren jeden Schall schlucken. Noch weiter draußen kann man Kleidung für jeden Geschmack kaufen. Längst hatten wir die Orientierung verloren.

Am Rand des Marktes, an der nächsten Hauptstraße liegt die Bookstreet. Große Buchläden fassen in Korea scheinbar auch keinen Fuß. Eine schmale, von Bücherstapeln gesäumte Gasse schlängelt sich den Berg hoch. Manche Stände gehen in kleine Ladennischen über, in denen man leicht unter Büchern begraben werden kann. Wo es einen zweiten Stock gibt, sind auch die Treppen zugestopft. Alte Bücher lagern draußen, neuere manchmal drin, mehr Logik oder Ordnung konnten wir nicht erkennen. Was, wenn man ein Buch von ganz unten braucht oder überhaupt was bestimmtes sucht?

Zwischen den ganzen Büchern fanden wir ein rustikales Café, für eine Pause bei kaltem Tee und Käsekuchen. Davor war eine Bühne aufgebaut und wir lauschten noch etwas der Musik, bis es anfing zu regnen und all die Bücherstapel schnell in Folie verpackt wurden, rein geräumt werden sie vermutlich nie, wohin auch.                

Direkt neben unserem Hotel in Nampo liegt der BIFF Square, früher zentraler Punkt für das Busan International Film Festival, das zufällig gerade stattfand. Auf dem kleinen Platz war eine Leinwand aufgebaut, auf der man einige Veranstaltungen, die jetzt in Centum City auf viel größerem Raum stattfinden, verfolgen konnte.  

Die Straßen, die vom Platz abgehen, sind im Muster eines Films gepflastert, in dessen Bildern sich die Fuß- und Handabdrücke berühmter Regisseure und Schauspieler finden, deren Filme hier auf dem Festival liefen. Auch deutsche Künstler sind darunter, wir fanden z.B. Wim Wenders und Nastassja Kinski. 

Die schmalen Gassen sind in dieser Ecke der Stadt von bunten Läden, Kosmetikgeschäften und Capsule Automaten gesäumt. Darunter ein “0 Calorie Store”, voll mit klebrigen Süßigkeiten. Einige davon glichen eher Chemiebaukästen, aber wir hatten noch Kleingeld und kauften uns etwas von dem eklig-bunten Zeug. 

Das Festival wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wir waren für die Tickets spät dran, aber ergatterten noch welche für einen chinesischen Actionfilm, The Shadows Edge, mit Jackie Chan. Der Film war unglaublich schlecht und hat sich dennoch gelohnt, aber dazu später. Am Abend in der U-Bahn wollten alle zum Festival, wir mussten nur der Masse nach, einige Leute trugen Helfer Pullis, so waren wir auf dem sicheren Weg.

Erstmal mussten wir wieder anstehen um unsere Karten abzuholen. Es gibt in Korea keine Onlinetickets, man muss die Tickets immer selbst abholen. Eigentlich ein guter Weg, um teure Weiterverkäufe auszuschließen, aber wir mussten in dem Gewusel erstmal den Ticketschalter finden und dann das Kino. BIFF Theater, das gab es garnicht. Wir fragten und wurden in die nächste Schlange verwiesen, gut 200 Meter lang, dann um die Ecke des Festivalgeländes herum und dort nochmal durch vier Lanes. Was soll das denn für ein Kino sein? Plötzlich waren wir drin und sprachlos. Mindestens 5000 Leute passen in diese Anlage. Unter einem endlosen, wild geschwungenen Dach hängen nebeneinander drei Leinwände, eine so groß wie bei uns ein ganzes Kinogebäude. 

Das muss ein guter Film sein, wenn den so viele Leute sehen wollen. Haha! Schnelle Schnitte und eine völlig zusammenhanglose Handlung, Zielgruppe, unkonzentriertes Tiktokpublikum. Aber warum läuft so ein Film auf einem Festival und warum schauen ihn sich fünftausend Leute an? 

Regisseur und ein paar Schauspieler tauchten für ein Interview auf. Darunter scheinbar ein K-Pop Star, das Publikum kochte, erwachsene Menschen jubelten und kreischten aufgeregt. Sobald der Mann den Mund aufmachte, rasteten die 5000 Leute im Kino aus. 

Im Film hatte er eigentlich eine völlig überflüssige Rolle ohne Text, aber in einer Szene wurde ihm effektvoll das Hemd vom Leib gerissen, die 5000 Leute rasteten wieder aus. Der Film zwar nicht, aber das Event war interessant, die Stimmung, die Location, total verrückt. 

Auf dem Rückweg folgten wir wieder der Masse, auf seltsamen Schleichwegen, die sich tatsächlich als Abkürzung zur U-Bahn entpuppten. Dort angekommen sahen wir das nächste Level des beliebten koreanischen Hobbys, Schlange stehen: in der Schlange vor einer Lotte Mall übernachten.        

Die Abreise aus Busan fiel uns schwer. Am Busbahnhof schlossen wir erstmal unser Gepäck ein, zu einem Ticketkauf konnten wir uns auch noch nicht durchringen. 20 Minuten außerhalb liegt ein großer, seit 400 Jahren unberührter Bambuswald, Ahopsan Forest. Nur noch den Wald besuchen, dann fahren wir wirklich weiter. Mit dem Taxi fuhren wir in die Berge, durch kleine Dörfer zwischen leuchtend grünen Reisfeldern.

Der Eingang liegt an einer idyllischen Quelle. Im Wald gibt es noch andere alte Bäume, so kamen wir erst ein Stück durch einen Pinienwald, bis der Bambus auf der anderen Seite des Weges begann. Endlos tief schien es zwischen den grün-grauen Halmen hinein zu gehen und der Spaziergang wurde von ständigem Geklapper begleitet. So dicht ist der Wald, dass die Halme bei jedem Windhauch zusammenstoßen. 

Weiter oben kamen wir an kleinen Hügelgräbern vorbei und durch ein Tannenwäldchen, dahinter wuchs eine andere Bambusart. Hier waren zwei Steinsäulen von einem Filmdreh übrig geblieben, ein beliebter Fotospot. Davor lag eine kleine Lichtung mit einem roten Blütenteppich.

Die meisten Leute wollten nur zur Filmlocation und kehrten hier um, dabei führte der Rundweg auf einem schmalen Pfad erst jetzt in den schönsten Teil. Ein unwirklicher Zauberwald erwartete uns. Der Bambus war hier so hoch und dicht, dass es ganz dunkel wurde, und der Pfad war so kurvig, dass wir die wenigen anderen Personen sofort aus den Augen verloren. Die Halme schluckten jedes Geräusch, nur das Rauschen und Klappern des Waldes selbst blieb übrig, keine Stimmen, keine Schritte. Der Pfad führte nach unten und immer tiefer hinein. Unten setzten wir uns auf eine Bank, lauschten dem Klappern und genossen die verwunschene Atmosphäre.    

Zurück am Eingang hatten wir die Zeit perfekt für den Bus getroffen. Glück gehabt, der fährt hier nur ein paar Mal am Tag. Die Bushaltestelle liegt mitten in den Reisfeldern und außer uns gab es in der Nähe nur Bauern mit Traktoren. Aber tatsächlich, nach ein paar  Minuten kam ein grünes Gefährt angerast, der Busfahrer war komplett irre. Mit Vollgas ging es durch kleine Dörfer. Hier und da wurden ein paar alte Leute eingesammelt, die, weil sie so leicht waren, bei jeder Bodenwelle hoch von ihren Sitzen flogen. Und nach der Fahrt hatte auch ich einige blaue Flecken von der Sitzlehne.  

Völlig durchgeschüttelt kamen wir am Busbahnhof an und waren so verwirrt, dass wir ohne nachzudenken den nächsten Bus buchten. So schaffen wir es doch noch, uns kurz und schmerzlos von dieser schönen Stadt zu verabschieden. 10 Minuten Zeit für Gepäck abholen, Pipi machen, Bussteig 37 suchen, noch halb im Rennen warfen wir die Rucksäcke ins Gepäckfach und sprangen in den Bus, der sofort abfuhr. Schon 45 Minuten später waren wir in Gyeongju. 

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