Andong – Bauernhöfe und Konfuzius

Andong – Bauernhöfe und Konfuzius

Nahe Andong liegt das Hahoe Folk Village, ein bewohntes Freilichtmuseum, eingerahmt von der wunderschönen koreanischen Landschaft. Zwischen weiten Feldern, flachen Reisterrassen und schroffen Bergen stehen die kleinen gelben Lehmhäuser mit Reisstrohdach. Das Dorf liegt in einer Flussschleife und fühlt sich dadurch noch abgelegener an. Unter der Woche hatten sich nur wenige Gäste hier her verirrt und so konnten wir in Ruhe durch die Gassen schlendern.

Kaum angekommen, fühlten wir uns wie auf einer Zeitreise, oder eben wie im Museum. Aber dann, immer mal wieder, springt eine Klimaanlage in den Blick, oder ein neues Auto. 

Mitten zwischen Baumwollfeldern fanden wir die winzige Kirche des Dorfes, auch mit Strohdach, auf dem Glockenturm. In den umliegenden Gewächshäusern wurden Chilis angebaut und diese langen asiatischen Auberginen. An den Bäumen hingen reife, duftende Kakis und Mangos. Die meisten Häuser sind privat, aber bei einigen durften wir die Innenhöfe und die idyllischen, mit Blumen überwucherten Gärten besichtigen. Im ganzen Ort herrscht eine herrlich entschleunigte Atmosphäre.   

Im Zentrum fanden wir ein paar wenige größere Häuser, z.B ein bunt verziertes Herrenhaus und einen 700 Jahre alten Pavilion. In einem Kiosk holten wir uns ein Eis in Fischform, mit roter Bohne und Marshmallow Stückchen. Dann wurden die ohnehin schon dicken Regenwolken noch finsterer und wir machten uns vorsichtshalber auf den Weg zum Bus. 

Der Bus fuhr erst in einer Stunde und passenderweise hatte genauso lange das Maskenmuseum noch geöffnet. Traditionelle Maskentänze sind in Korea noch immer Bestandteil von Festen. Jede Region hat ihre eigenen Verkleidungen von lustig bis gruselig und meistens sehr aufwändig. Im oberen Stock waren außerdem Masken aus aller Welt ausgestellt und passend zur Jahreszeit Halloween Kostüme. 

Draußen gewitterte es jetzt und außer uns suchten noch alle Mücken der Gegend in der Bushaltestelle Schutz vor dem Regen. Als der Bus kam fühlten wir uns schon völlig ausgesaugt. 

Am Busbahnhof mussten wir noch unser Gepäck holen und waren schon ziemlich hungrig. Also gab es heute mal Fast Food bei Lotteria, die Burgerkette von Lotte. Es gab Reisburger, ein völlig unterschätztes Gericht, das einfach viel zu selten auf der Karte steht. 

Dann fuhren wir ins Hotel. Die Auswahl in Andong war dünn, dennoch machte unsere Wahl auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Auf den zweiten stellten wir fest, dass wohl nicht alle Gäste die ganze Nacht bleiben oder mindestens ungeplant hier landen. 

Auf dem Tisch erwartete uns ein großer Koffer mit Kosmetikprodukten, Kondomen und einer Karte, über die man Seidenschlafanzüge ausleihen und frische Unterwäsche bestellen konnte. Ein kühlschrankartiger Automat fritsche den Anzug für den nächsten Tag mit Dampf auf. Nachts wachten wir völlig verschwitzt auf. Was ist das denn? Eine Gummimatte auf der Matratze. Im Keller gab es außerdem Partyräume. Wir dachten, für Feiern, aber das waren ganz normale Hotelzimmer, für Leute, die vor haben, sehr laut zu sein. Für ein Stundenhotel war es trotzdem ganz ok. 

Andong ist eine logistische Herausforderung, alle Sehenswürdigkeiten liegen außerhalb und das Busnetz ist etwas eigenartig. Man kommt zwar überall mit dem Bus hin, aber nicht mehrmals hintereinander von der gleichen Haltestelle. Außerdem sollte man sich keinesfalls verlaufen. Einmal mussten wir z.B. zehn Minuten steil bergab zur Haltestelle, jetzt bloß nicht falsch abbiegen und den Bus verpassen, denn dann müssten wir für die nächste Verbindung eine andere Haltestelle suchen, die vielleicht wieder ganz oben liegt. 

Der Busfahrer auf dem Weg zur konfuzianischen Akademie, Dosan Seowon, wusste besser als wir, wo wir hin wollten. Wir drückten an der Haltestelle, die Naver ausgab. Von hier waren es noch 20 Minuten zu Fuß. Aber der Busfahrer winkte nur ab und fuhr weiter. Zehn Minuten später setzte er uns direkt am Eingang ab. Scheinbar kommt nicht mal Naver so richtig mit dem Andongschen Bussystem zurecht.  

Schon die Anreise nach Dosan Seowon war wunderschön, durch bergige Dörfer, vorbei an wilden Flüssen und grünen Wiesen und Wäldern. Dann noch ein kurzer Fußweg hoch oben über dem Fluss und wir erreichten die märchenhafte Anlage. 

Die Akademie liegt über einem Platz mit alten knorrigen Bäumen, ausgerichtet auf den Fluss und einen kleinen Tempel auf einem Hügelchen am anderen Ufer. Durch ein niedriges Tor traten wir von unten ein, vor uns stapelten sich die alten Holzhäuser am Berg, dazwischen niedrige Bäume, ein Lotusteich und Laternen. Unten liegen die ehemaligen Wohnhäuser der Schüler, in der Mitte die alten Bibliotheksgebäude, extra auf Stelzen von Wasser geschützt. Das sind die beiden schönsten Gebäude, mit geschnitzten Galerien und mit alten, bunten Verzierungen, die hier und da schon etwas abblättern. Dahinter liegt das Tor zur großen Halle, dem eigentlichen Schulgebäude, einem großen, bunt verzierten Pavillon. Von hier konnten wir die gesamte Anlage überblicken. Wir zogen die Schuhe aus und setzten uns eine Weile, genossen die mystische Atmosphäre dieser in den Bergen versteckten Akademie. Dass diese konfuzianische Schule eine der schönsten ist, glauben wir gern.  

Weiter oben, in einem großen Gemeinschaftsgebäude, hatte sich vorübergehend ein Künstler angesiedelt, der Hof war voll mit Bildern und er wusch gerade seine Pinsel in einer großen Schüssel. In einem abgetrennten Bereich gab es noch ein kleines Museum, über die Geschichte der Schule und über die Entwicklung des Buchdrucks in Korea, mit einer eindrucksvollen alten Druckplatte. Außerdem war dort ein Kopfkissen des Gründers und Lehrers der Akademie aus dem 16 Jahrhundert ausgestellt.  

Nachdem wir, zurück in der Stadt, einmal falsch ausgestiegen waren, mussten wir zu einer anderen Bushaltestelle laufen, so sahen wir noch die Innenstadt und waren überrascht. Heiße Quellen fließen durch die Fußgängerzone und überall stehen Bänke für ein Fußbad bereit. Und so kam es, dass unser Bus an der nächsten Haltestelle auch schon weg war. 

Zum Glück wussten das auch die Taxifahrer und hatten sich schon versammelt. Woryeonggyo-Bridge!, sagte der Erste und schob uns, ohne eine Antwort abzuwarten, zum Auto. Eigentlich wollten wir zu dem kleinen Freilichtmuseum der Stadt, aber was solls, also zur Woryeonggyo-Brücke. Den Einheimischen zu vertrauen hat sich in dieser Stadt ja schon bewährt. 

Die fast 400 Meter lange Fußgängerbrücke ist garnicht so alt wie sie aussieht, sie wurde erst vor 20 Jahren gebaut. Kitschig-romantisch, mit dem Holzgeländer und den Papierlaternen, bot sie schon am Nachmittag einen zauberhaften Spazierweg, aber erst recht später, in der Dämmerung. Mit den zwei eingebauten Kurven und dem Pavillon in der Mitte wird sie auch dem Foto Bedürfnis der Koreaner gerecht. Der Fluss war ziemlich trocken und die verbliebenen Pfützen voll mit Silberreihern. 

Das Freilichtmuseum lag auch nur einen kurzen Spaziergang am anderen Ufer entfernt. Die Häuser hier sind unbewohnt und frei zugänglich, sie wurden in verschiedenen Dörfern abgebaut und hergebracht. Wunderschön war das große Teehaus, ein labyrinthartiges Anwesen aus kleinen Teezimmern, in die man durch niedrige Türen kriechen muss. Die meisten Räume sind so niedrig, dass man darin nur sitzen oder knien kann. Im Hof standen zahllose Kimchifässer, zwischen Kräuterbeeten. An einem Teich liegt eine idyllische Mühle, darüber Bauernhäuser und eine Schmiede. Durch Küchen und Wohnzimmer wanderten wir steil den Berg hinauf. Zwischen den Reisstrohdächern bot sich immer mal wieder eine Aussicht bis zum Fluss. Am Waldrand warnten uns niedliche Schilder vor den Gefahren der Natur. Auf halber Strecke fing es an zu nieseln und die heiße Straße verwandelte sich in eine Sauna.

Ganz oben, hinter einem eindrucksvollen Stadttor fanden wir ein Café, in dem wir uns abkühlen konnten. Durch die großen Glasfenster bei kaltem Tee, gefiel uns die mystisch tropfende und dampfende Umgebung gleich viel besser.

Zeit für die lokale Spezialität, Jjimdak, ein scharfer Hähncheneintopf mit Nudeln und Gemüse. Und wo isst man den? Im Bus saßen eine Hand voll Touristen, alle stiegen an der gleichen Haltestelle aus und liefen in die gleiche Richtung, durch dunkle Gassen zur Jjimdak-Alley. Na klar, wozu auch verschiedene Restaurants in einer Straße? Oder gar verschiedene Gerichte in einem Restaurant, wo kämen wir da hin? Die Straße kreuzt in einer Markthalle, gekocht wird am Stand, da sieht man gleich was man bekommt und mal wieder hatten wir die Qual der Wahl zwischen 30 Restaurants, die ein einziges, identisches Gericht servieren. Kurz umgesehen und schon sprach uns die erste Köchin an. Drin saßen zufrieden aussehende Koreaner also bestellten wir den Eintopf hier, für drei Personen, weniger geht nicht. 

Beim Essen wurde Christian von der Bedienung mit der Nudelzange in der rechten und der Schere in der linken Hand erwischt. So nicht! Naja, hätten wir uns auch denken können.   

Am nächsten Morgen ging es zurück nach Seoul, nur 2 ½ Stunden mit dem Bus und trotzdem gab es eine Pause an einer überdimensionalen Raststätte. Damit niemand unvorbereitet in die Hauptstadt zurückkommt. 

Auf der Toilette gab es Glätteisen für den Notfall und in den Gängen konnte man noch schnell Fotos mit Kunsthandwerk aus verschiedenen Regionen machen. An Marktständen gab es Souvenirs und Spezialitäten aus allen möglichen Städten, falls man jemanden beim Mitbringselshoppen vergessen hat.  

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